Die Renovation der grosszügigen Fabrikräume für die Hochschule der Künste Bern an der Fellerstrasse 11 in Bethlehem bietet der kantonalen Kunstkommission eine besondere Gelegenheit zu «Kunst am Bau». In engem Kontakt mit den Nutzerinnen und Nutzern wurde ein Direktauftrag an die palästinensisch-britische Künstlerin Mona Hatoum vergeben.
Nach einem Besuch der Räume während des Umbaus formulierte die Künstlerin mehrere Vorschläge. Aufgrund der neusten Werkentwicklung hat sich schliesslich ein Vorschlag durchgesetzt, der von den historisch gewachsenen, politisch erstrittenen Grenzen von Ländern ausgeht.
Die Werkstrasse im Erdgeschoss der Fellerstrasse 11 ist die zentrale Passage für Menschen und Werke, die in diesem grosszügigen Fabrikgebäude zirkulieren. Wo heute einfache Leuchtstoffröhren den Durchgang erhellen, soll sich künftig eine Lichtdecke erstrecken, die alle aktuellen Länder der Erde als abstrakte Neonformen zu einem strahlenden Ornamentband versammelt. Mit 550 m2 wird diese Arbeit eine der grössten Interventionen von Kunst am Bau in der Schweiz sein.
Immer mehr ist auch der Alltag der Hochschule durch die Auseinandersetzung mit globaler Migration geprägt. Menschen mit Wurzeln in verschiedensten Ländern arbeiten hier unter einem Dach zusammen. Die aktuellen Staatsgrenzen sind dabei eine Metapher für erfahrene oder erzwungene Identität. Bei aller Globalisierung sind die Landesgrenzen nicht verschwunden. Vielmehr sind sie zu abstrakten Formen geworden, die eine höchst konkrete, selektive Durchlässigkeit für Menschen mit unterschiedlichen Rechten kennen.
In der Installation von Mona Hatoum werden die Grenzen leuchten und, je nach Blickwinkel, sich hart gegeneinander behaupten oder an einem hell strahlenden Horizont zerfliessen.
| Kunstwerk, inkl. Honorar der Künstlerin | 240’000.- | |
| Bauliche Massnahmen | 90’000.– | |
| Reserven | 45’000.– | |
| Total | 375’000.– | |
| Zugesicherte Mittel: | ||
| Bau: Aufwertung Werkstrasse | 45’000.– | AGG Kt. Bern |
| Kredit Kunst am Bau | 90’000.– | AGG Kt. Bern |
| HKB Direktion | 30’000.– | |
| HKB Fachbereich Gestaltung und Kunst | 30’000.– | |
| Total | 195’000.– | |
| Ausstehender Betrag | 180’000.– |
Fellerstrasse 11, Werkstrasse
Der noch ausstehende Betrag soll durch den Verkauf einzelner Länder eingeworben werden. Die Preise können der nachfolgenden Liste entnommen werden. Sie setzen sich aus den Material- und Realisationskosten zur Abbildung der Länderumrisse zusammen; das Honorar der Künstlerin sowie der Betrieb des Kunstwerks werden über die bereits gesprochenen Gelder der HKB und des AGG abgegolten.
Die palästinensisch-britische Künstlerin Mona Hatoum wurde 1952 in Beirut geboren, lebt und arbeitet heutein Berlin und London. Sie war mit wichtigen Arbeiten an der Documenta 11 (Kassel, 2002) und während den Biennalen 2005 und 2009 in Venedig vertreten. 2004 konnte sie in der Hamburger Kunsthalle eine grosse Überblicksausstellung einrichten. Im selben Jahr wurde sie mit dem Roswitha Haftmann-Preis ausgezeichnet, der höchst dotierten europäischen Auszeichnung in der Kunst.
Ihr Werk umfasst raumgreifende Installationen, Objekte, Performances, Videoarbeiten und Arbeiten auf Papier. Oft werden alltäglich vertraute Dinge durch Veränderungen der Dimension und des Materials oder durch minimale Ergänzungen zu massiv bedrohlichen Objekten, die über die Betrachtung unseren Körper unmittelbar attackieren. Ein zentrales Thema in ihrer Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Globen undLandkarten.
Eine Weltkarte in der nachkolonialen Peters-Projektion dehnt sich über das ganze Parkett im oberen Stockwerk der Kunsthalle Basel aus: Eine der Glaskugeln anzustossen würde genügen, um das labile Weltgefüge auseinander zu treiben.
Stainless steel and neon tube
242 x 227 x 227 cm
Installation White Cube Gallery
London 2006
Eine Weltkarte in der nachkolonialen Peters-Projektion dehnt sich über das ganze Parkett im oberen Stockwerk der Kunsthalle Basel aus: Eine der Glaskugeln anzustossen würde genügen, um das labile Weltgefüge auseinander zu treiben.
Glasmurmeln
Dimension variabel
Installation Kunsthalle Basel 1998
Bei einem orientalischen Teppich werden abgenutzte Stellen sichtbar. Was auf den ersten Blick wie eine schlichte Schadstelle erscheint, sind Spuren aufwändiger Arbeit: In den Konturen einer Weltkarte wurde dem Geflecht die Wolle entzogen, als liesse sich der Zusammenhang dieser Formen erst negativ rekonstruieren
Wool
250 x 320 cm
Installation Osram-Höfe Berlin
2008
In den Osram-Höfen in Berlin erhält eine ganze Halle ihren Puls durch aufglühende und ausgehende Lampen. Die mit Stoff umwickelten roten Kabel verdichten sich im Zentrum zu einem unberührbaren Gewebe. Der Titel «Undercurrent» spielt mit den Bedeutungen «unter Strom» und dem «Unterschwelligen», den drohenden, noch nicht manifesten, aber sich unter der Oberfläche abzeichnenden Vorgängen. Undercurrent (red)
light bulbs
dimmer device installation
1070 cm in diameter
height 8 cm
dimensions variable
edition of 3 plus 1
Installation Osram-Höfe Berlin
2008
Hochschule der Künste Bern HKB
Marion Ebinger
Fellerstrasse 11
CH-3027 Bern
T +41 31 848 38 28 (Direkt)
T +41 31 848 38 38 (Zentrale)
F +41 31 848 38 01
marion.ebinger@hkb.bfh.ch
www.hkb.bfh.ch
Text Hans Rudolf Reust
Leiter Studienbereich Fine Arts HKB
Präsident der Eidgenössichen Kunstkommission
Bilder Mona Hatoum
Gestaltung Werner Jeker, Les Atelier du Nord
Copyright 2010 HKB