
Denkgeräusche 1
Sonifikation und Sounddesign von EEG-Daten
Im Projekt «Denkgeräusche 1» wurden erstmals in der Schweiz medizinische EEG-Daten sonifiziert, d. h. in Klänge umgewandelt, um mittels dieser Darstellungsform einen neuen Zugang zur Arbeitsweise des menschlichen Gehirns zu gewinnen. In Kooperation mit Vertretern dieses Feldes aus Deutschland, Österreich, Mexiko und Australien wurde dafür sowohl software- als auch hardwareseitig eine Infrastruktur entwickelt. Diese ermöglicht es, in Echtzeit EEG-Messungen mit 20 Kanälen parallel zu audifizieren oder ein Parameter-Mapping durchzuführen, das auf der FM-Synthese aufbaut. Als Abhöranlage wurden ein 20-Kanal-Audio-Display sowie eine interaktive Simulation dieser räumlichen Abhörsituation für Kopfhörer realisiert.
Die Ergebnisse versuchten dabei den wissenschaftlichen und ästhetischen Ansprüchen gleichermassen zu genügen, die das interdisziplinäre Team aus Musik und Medizin daran stellten. Parallel dazu wurde die wahrscheinlich weltweit erste Sammlung historischer Beispiele der Sonifikation als Kompositionsstrategie in der Musik angelegt.
Verschiedene Details überraschten die Naturwissenschaftler in der akustischen Darstellung der Daten: Unter anderem konnten ereigniskorrelierte EEG-Signale schnell identifiziert werden und war die Phasenabhängigkeit der Signale gut nachvollziehbar. Die Einführung einer akustischen Perspektive wirkt derzeit in den Diskussionen um die Funktion des Gehirns nach. Seitens der Musik wurden die im Projekt entwickelte Infrastruktur und das akustische Know-how u. a. in einer Klanginstallation von Iris Rennert und Oliver Friedli weiterverwendet.
Bild:
Ansicht des im Projekt entwickelten 20-kanaligen Audiodisplays
zur Untersuchung 20-kanaliger EEG-Daten
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ORGANISATION
Projektleitung:
Florian Dombois
Mitarbeit:
Oliver Brodwolf
Oliver Friedli
Kooperationspartner:
Universität Bern, Universitätsklinik für klinische Psychiatrie (PUK), Thomas König
Finanzierung:
Schweizerischer Nationalfonds, DORE
Laufzeit:
7/2005–6/2006
