EnTrance

Künstlerische Erforschung der Trance als begrifflich unzugängliches Phänomen

 

Wer versteht die Trance? Die Medizinerinnen, die Psychoanalytiker? Womit hat sie zu tun? Wer beschreibt, worum es bei der Trance geht? Und auf welchem Weg lässt sich das Beschriebene darstellen? Trancezustände werden in der Neurologie, der Religionswissenschaft, der Psychologie und der Schmerzmedizin nur ansatzweise behandelt, da es ein offensichtliches Problem darstellt, dass sich die subjektive Trance-Erfahrung einer objektiven wissenschaftlichen Beschreibbarkeit entzieht. Das Forschungsprojekt «EnTrance» gibt deshalb den Künsten das Wort. Die Grundüberlegung des Projekts besteht darin, dass die Trance zwar nicht objektivierbar, dafür aber künstlerisch darstellbar ist und damit als ästhetisches Ereignis wissenschaftlich analysierbar gemacht werden kann. Gleichzeitig manifestiert sich, so die These, auch im Kunstwerk selbst eine Form des Wissens über die Trance.

 

Konkret realisierte Christoph Keller eine Gruppe von drei Videoinstallationen («Whirling until I drop», «Let it out – babbling» und «Ohnmacht durch Hyperventilation», alle 2008), in denen Selbstversuche mit verschiedenen Trancetechniken inszeniert und dokumentiert werden. Johannes Mager entwickelte zusammen mit Roland Bonjour und Alois Reinhardt eine filmische Studie zu Samuel Becketts «Warten auf Godot», in der sie Trancetechniken als schauspielerische Ausdrucksmittel erprobten. Hugo Ryser und Samuel Radvila experimentierten mit Formen des Erzählens im VJing während einer Clubnacht. Begleitet wurden diese künstlerischen Forschungsarbeiten durch zwei geisteswissenschaftliche Studien: Yeboaa Ofosu schrieb einen historisch-methodischen Essay zum Selbstversuch in den Künsten und Wissenschaften, und Thomas Strässle untersuchte die Begriffsgeschichte der Trance und verschiedener angrenzender Wortfelder (Ekstase, Taumel, Schwindel, Rausch, Trunkenheit etc.), die er u. a. in einem Schema zusammenfasste. Zum Abschluss des Projekts fand am 17. & 18.1. 2009 ein internationaler Workshop zur Trance statt, an dem neben den Projektteilnehmenden auch folgende Personen vortrugen: Kathrin Solhdju (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Berlin), Jean Michel Fitreman (Schamane, Nantes), Felix Hasler (Heffter Research Center/Universitätsspital Zürich), Daniel Baumann (freier Kurator, Basel), Matthias Sohr (Institut universitaire d’histoire de la médecine et de la santé publique, Lausanne).

 

ausführliche Informationen zum Projekt (PDF)

 

Bild:

Videostill aus Christoph Kellers «Whirling until I drop» (2008, Videoinstallation)

 

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ORGANISATION

Projektleitung:

Florian Dombois

Christoph Keller

 

Mitarbeit:

Yeboaa Ofosu

Thomas Strässle

Johannes Mager

Hugo Ryser

Samuel Radvila

 

Finanzierung:

Berner Fachhochschule, BFH

 

Laufzeit:

3/2008-2/2009

 
efqm