
Historisch informierter Blechblasinstrumentenbau
Material und Fertigungstechnik im 19. Jahrhundert
Bisher galt es als ausgemacht, dass primär die geometrische Form der klingenden Luftsäule für Klang und Spieleigenschaften eines Blasinstrumentes verantwortlich seien, unabhängig von Material und Wandstärke. Diese Sichtweise lässt sich heute nicht mehr halten.
Im Zuge der sich immer weiter differenzierenden Auseinandersetzung mit historisch informierter Aufführungspraxis scheint es an der Zeit, sich der Frage nach originalen Materialien und handwerklichen Traditionen neu zu stellen.
Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf die für den Blechblasinstrumentenbau besonders interessante Umbruchszeit des 19. Jahrhunderts und verwertet die Erfahrungen aus Vorgängerprojekten. In die schon bewährte Partnerschaft der HKB mit dem Instrumentenbauer Rainer Egger und dem Sinfonie Orchester Biel und ergänzend zu historischen und interpretatorischen Untersuchungen fliesst die archäometallurgische Expertise der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa und des Paul Scherrer Instituts ein.
Drei Fragen sollen für exemplarische französische Instrumentenbaufirmen des 19. Jahrhunderts und ihre Instrumente beantwortet werden:
- Welches Halbzeug und welche Legierungen wurden verwendet?
- Wie gross war die Wandstärke der Instrumente, wie einheitlich war sie innerhalb eines Instrumentes und zwischen gleichen Instrumenten?
- Was kann mittels archäometallurgischer und historischer Analysen über die Fertigung, insbesondere über deren letzten Arbeitsgang ausgesagt werden?
Die Ziele des Projektes sind,
- vertiefte Erkenntnisse über Material und Fertigungstechnik originaler Blechblasinstrumente zu gewinnen
- ein historisches Halbzeug nachzugiessen und nachzuwalzen
- all dies dem historisch informierten Instrumentenbau zur Verfügung zu stellen und diesen dadurch weiterzuentwickeln
- die nachgebauten Instrumente in Hochschulunterricht und Konzert einzusetzen und damit einen Beitrag zur Ausbildung und Profilierung von spezialisierten Interpretinnen und Interpreten zu leisten.
ausführliche Informationen zum Projekt (PDF)
Bild: Chaudronnier, faiseur d’instrumens de musique, boutique & opérations. Ouvrier qui prépare un morceau de cuivre pour un cor-de-chasse; autre qui soude; autre qui verse du plomb dans le cor, &c. avec les outils & quelques uns des ouvrages du métier, comme cor, tymbale, trompette, cornet acoustique, &c. («Chaudronnier. Faiseur d’instruments de musique», in: [Denis] Diderot und [Jean Lerond] D’Alembert, Encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers. Recueil de planches sur les sciences, les arts libéraux, et les arts méchaniques, avec leur explication, Seconde livraison, en deux parties, Paris: Briasson et al 1763, hier Teil 2, ohne Seitenangabe)
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ORGANISATION
Projektleitung:
Mitarbeit:
Hans J. Leber (PSI)
Eberhard Lehmann (PSI)
Marianne Senn (Empa)
Martin Tuchschmid (Empa)
Projektverantwortung:
Finanzierung:
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT): Kommission für Technologie und Innovation (KTI)
Laufzeit:
1/2010–12/2012
