
Diplomarbeiten 06
Black Cube - White Box
Diplompräsentation Studiengang Kunst HKB 2006
Wamidh Al-Ameri, Karin Aeschlimann, Chantale Demierre, Cosimo Gritsch, Marina Shchipak, Nadine Städler, Niklaus Wenger
vom 13. – 15. Oktober 2006 im Centre PasquArt Biel / Bienne, Kunsthaus / Centre d’Art
Biel bietet die Gelegenheit, neuste Ansätze der Kunst zu entdecken. Nach ihrem dreijährigen Bachelor-Studium an der Hochschule der Künste Bern präsentieren die sieben DiplomandInnen eine eigenständige Werkgruppe im professionellen Rahmen des Centre PasquArt. Begleitet wird die Werkgruppe von einer theoretischen Arbeit, welche die eigene Praxis reflektiert, sowie von einer Dokumentation der bisherigen Werkentwicklung und einem Diplomgespräch mit externen Expertinnen.
Im Zentrum des Diploms - wie des ganzen Studiums - steht die Entscheidung für den eigenen künstlerischen Ansatz, dessen Entwicklung und Vertiefung. Neben Malerei und Skulptur finden sich in diesem Jahr Video- und Diaprojektionen, Collagen, ein Trickfilm, Zeichnung und ein Textbuch. Diese Vielfalt der Denk- und Formulierungsweisen widerspiegelt den Stand der bildenden Kunst heute. Sie zeigt aber auch, dass die Hochschule der Künste Bern mit ihrer stark individualisierten künstlerischen Begleitung und einem breiten Kursangebot im transdisziplinären Umfeld von Gestaltung und Vermittlung, Musik und Theater, Konservierung und Restaurierung, unterschiedliche Ansätze besonders fördern kann.
„Black Cube – White Box“: Das Wortspiel um den schwarzen Kubus und die weisse Kiste durchkreuzt die orthodoxe Trennung der zwei vorherrschenden Raumqualitäten in den aktuellen Kunstausstellungen. Projektionen und feste Bildträger begegnen sich in demselben Raum, die Architektur dient als Stütze fragiler Konstruktionen und weitere Räume werden durch Sprache erschlossen. Die Kunst hat ihren festen Kontext aufgegeben. Sie ist heute frei, sich auf Zeit und in wechselnder Umgebung ihren eigenen Ort zu schaffen.
Noch in seiner Geburtsstadt Bagdad hat Wamid Al-Ameri (*1980) Malerei studiert. Die Auseinandersetzung mit Video hat nun auch seine Malerei mit neuen Zweifeln am Bild konfrontiert. Erst durch den teilweisen Entzug der Darstellung werden die schrecklichen Bilder, die uns täglich auf allen Kommunikationskanälen erreichen, wieder lesbar und von Bedeutung.
„Ein Ort, der an fiktive Orte erinnert. Das stillfliessende Wasser. Vergessene Flaschen. Angelegte Wege, wie an einem Drehort. Das Eindunkeln gräut. Die violetten Schatten der liegenden Blätter, vergessen unterm Schnee. Wenn die Vögel und die Luft nicht vom Kommenden sprechen würden, könnte man sich im Herbst wähnen.“ Karin Aeschlimann (*1981) ruft in ihrem Textbuch stehende und bewegte Bilder wach, die sich in der Vorstellung zu Zeichnungen, Malerei, zu Filmsequenzen verdichten. Daneben entfaltet sich ein bildnerisches Alphabet in einer vielteiligen Serie.
In der Malerei von Chantale Demierre (*1982) werden vertraute Tiere – Hunde, das Kaninchen, die Kuh - ausgesetzt in einen bewegten Farbgrund, der sie aufnimmt, schützt und birgt, einfängt, einsaugt, entrückt... Harte Schnitte durch die Begrenzungen des Formats irritieren jede vorschnelle Vertrautheit mit dem Motiv.
Cosimo Gritsch (*1982) geht bei seiner Malerei von den Menschen und Dingen aus, die ihn im Alltag umgeben, vielfach von sich selbst. Sein distanziert beobachtender Blick fällt auf Einzelheiten, auf Falten, auf Schattenwürfe, auf Texturen. Jede Oberfläche wird dabei zu einer zerklüfteten Landschaft, die sich ausdehnt zwischen der Einheit des Gegenstandes und dessen Zerfall.
Marina Shchipak (*1983) hat sich während ihres Studiums mit der Geschichte und den neusten digitalen Möglichkeiten der zeichnerischen Animation beschäftigt. In ihren eigenen Produktionen zeigt sie eine persönliche Welt, wo Figuren in andere Figuren wechseln und sich neue Räume aus alten Räumen entwickeln.
In ihrer Rauminstallation unterwandert Nadine Städler (*1979) ästhetisch Ansprechendes durch Brutalität. Auf zwei grossen, körperhaften Holztafeln ordnen sich je vier Pistolen zu einem ornamentalen Rahmen, gleich der Rückenzeichnung eines Käfers, während vier weitere Projektionsflächen im harten Rhythmus eines Diaprojektors mit Zeichnungen aus Lichtbildern beschossen werden.
Niklaus Wenger (*1978) geht mit seinen fragilen Konstruktionen an die Grenzen der Statik, wenn er auf Elemente des jeweiligen architektonischen Umfeldes eingeht: die Wand, den Boden, ein Regal. In einfache Strukturen führt er ein burlesk erzählendes Moment ein, das er mitunter durch Sprache noch weiter treibt. Ein Titel wie „Rollenhalter“ verweist leise ironisch auf den theatralischen Auftritt, den die Moderne der Skulptur lange ausgetrieben hat.
