Stimmung und Temperatur

Von der Schwierigkeit der Gleichschaltung

 

Innerhalb der Interpretationsforschung des 19. Jahrhunderts sind bisher zwei grundlegende Fragen ungenügend beantwortet: Wie schnell hat sich die äquidistante Halbtonstimmung durchgesetzt bzw. wie lange haben nicht-äquidistante Stimmungen noch existiert, und wie haben sich frei intonierende Instrumente bzw. die Gesangsstimmen dazu verhalten? Die bestehende Literatur dazu erweist sich fast durchgehend als dogmatisch, die Praktiker hingegen – selbst die «historisch informierten» wie die Hammerklavierspieler – nähern sich diesem Themenkreis meist völlig pragmatisch. Das vorliegende Forschungsprojekt begibt sich in vier parallelen Arbeitsgruppen auf die Suche nach Belegen:

  • Klavier/Musiktheorie: statistische Bestandsaufnahmen zur Tonartenwahl und zu tonartenspezifisch verwendeten Satztypen in Schuberts Liedern, die auf die Verwendung bestimmter Stimmungen hinweisen.
  • Akkordeon: Untersuchung von erhaltenen Originalinstrumenten sowie Archivrecherchen und Interviews mit (meist pensionierten) Mitarbeitern in Trossingen, im Vogtland und in der Gegend von Ancona, wo die traditionsreichsten Hersteller dieses erst im 19. Jahrhundert erfundenen Instrumententypus beheimatet sind.
  • Orgel: Suche nach Archivdokumenten zur Tätigkeit der Orgelbauer und -stimmer im 19. Jahrhundert.
  • Akustik: Auseinandersetzung mit dem beginnenden Einfluss der modernen Naturwissenschaften auf die Musiktheorie, wobei der zunehmend mathematische Zugang zur musikalischen Temperatur nur eine Facette einer grundlegenden Veränderung des Hörens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt.

 

ausführliche Informationen zum Projekt (PDF)

 

Bild: Anonyme Stimmanweisung, Wien (Artaria) ca. 1802 (Sammlung Bösendorfer im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien)

 

 

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ORGANISATION

Projektleitung:

Roman Brotbeck

 

Mitarbeit:

Wanja Aloe

Claudio Bacciagaluppi

Felix Bamert

Claire Roberts

Martin Skamletz

Pascale van Coppenolle

Cathy van Eck

Nadia Bacchetta

Doris Bertschinger

Jörg Wiget

 

Projektfinanzierung:

Berner Fachhochschule, BFH

 

Laufzeit:

1/2008 - 10/2009

 

 
efqm