Bilderbögen zur Patienteninformation

Bilderbögen zur Patienteninformation als visuelle Unterstützung der Informationsvermittlung im medizinischen Beratungsgespräch

 

«Was hat der Arzt gesagt?»

 

Grundlagen

Medizinische Fachpersonen stehen vor der Herausforderung, Diagnosen und Therapien einfach verständlich, aber dennoch sachlich korrekt zu vermitteln, denn ungenügende oder falsch verstandene Informationen können auf Patientenseite zu Unsicherheiten, zu falschem Befolgen oder gar Nichtbeflogen der Anweisungen führen. Eine zusätzliche visuell gestützte Information kann dabei das mündliche Beratungsgespräch unterstützen und so das Verständnis verbessern und längerfristig das Wohlbefinden der PatientInnen fördern. Das Forschungsprojekt untersucht, wie visuelle Hilfsmittel im Beratungsgespräch zwischen und betroffenen PatientInnen und deren Angehörigen eingesetzt werden können. Gemeinsam mit dem Inselspital Bern (Klinik für  Kinderheilkunde, Abteilung für Entwicklung, Neuropädiatrie und Rehabilitation) wurde der Prototyp eines vorgedruckten Gesprächsbogens in Form eines Durchschlagpapiers entwickelt, auf dem eine jeweils betroffene Körperstelle individuell ergänzt und den PatientInnen mitgegeben werden kann. Dabei sollen die zentralen gestalterischen Parameter geklärt, welche die Informationsvermittlung visuell unterstützen sowie die Akzeptanz des entwickelten Prototyps empirisch überprüft werden.

 

Vorgehen

Gemeinsam mit dem Praxispartner wurde der Prototyp eines Bilderbogens entwickelt, der die Kommunikation zwischen ÄrztInnen mit Eltern unterstützt, deren Kinder von den Diagnosen Kopfschmerz und Epilepsie betroffen sind. Die Bilderbögen beinhalten eine einfache Abbildung des Gehirns sowie vorgegebene Felder für die wichtigsten inhaltlichen Punkte des Beratungsgesprächs. Die inhaltliche und grafische Gestaltung ist offen gehalten, so dass die Fachperson durch Ergänzungen auf die individuelle Situation der Betroffenen eingehen kann. Diese Offenheit ist wichtig, da die Krankheitsbilder vielfältig und kaum standardisierbar sind.

Die gestalterischen Parameter, die ein solches Hilfsmittel leiten müssen, werden empirisch geklärt, z.B. ist der Einfluss des Abstraktionsgrades der Illustrationen auf das Verständnis oder das Verhältnis von vorgedruckter Information zum Raum für individuelle Einzeichnungen zu analysieren.

Zu Beginn wurden die Bedarfe vor Ort mit den beteiligten ÄrztInnen ermittelt und in einem gestalterischen Briefing formuliert. Basierend darauf ist der Prototyp zu entwickelt worden und in Beratungsgesprächen mit Eltern betroffener Kinder getestet. Die Erfahrungen wurden anschliessend in Gesprächen mit dem Ärzteteam und mittels Fragebogen bei den PatientInnen erhoben. Der Prototyp wurde hierauf optimiert, ausgearbeitet und mit den gewonnenen Erkenntnissen für Folgeprojekte bereitgestellt.

 

Ergebnisse

Es lässt sich sagen, dass sowohl ÄrztInnen als auch PatientInnen positiv auf den Gesprächsbogen reagieren und ihn als sinnvoll erachten. Ein wichtiger Vorteil des Gesprächsbogens scheint, dass er die ÄrztInnen dazu zwingt, den Inhalt des Gesprächs beim Ausfüllen des Bogens noch einmal langsam zu repetieren. Diese Feststellung deckt sich mit Aussagen aus der Literatur.

Das einfache und kostengünstige Medium des Durchschlagpapiers erweist sich als angenehm und adäquat. Ausserdem scheint es sinnvoll, dass der Bogen möglichst generell verwendbar ist, so dass er bei unterschiedlichen Diagnosen zum Einsatz kommen kann.

Eine grosse Herausforderung im Umgang mit dem Gesprächsbogen ist dessen Implementierung in die klinische Routine. Trotz vorgängiger Schulung des Ärzteteams erwies es sich als äusserst schwierig, die eingespielten Abläufe zu durchbrechen und die Ärzte dazu zu bringen, das Gesprächsblatt trotz Stress auch tatsächlich einzusetzen. Der Zeitpunkt der Einführung eines neuen Kommunikationsmittels muss gut geplant sein und vom ganzen Team getragen werden, ansonsten droht es zu scheitern.

 

Artikel im Personalmagazin der Inselgruppe "Punkt" 1/16 (PDF)

 

Link zu Artikel: http://www.punktdasmagazin.ch/artikel/2016-1/was-hat-die-aerztin-gesagt/

 

 

Suche

Projektverantwortung:

Arne Scheuermann

 

Projektleitung:

Beatrice Kaufmann

 

Projektmitarbeit:

Murielle Drack

 

Partner:

Inselspital Bern, Klinik für Kinderheilkunde, Abteilung Entwicklung, Neuropädiatrie und Rehabilitation

 

Laufzeit:

12/2014 - 09/2015

 

Finanzierung:

Hochschule der Künste, HKB

 

Ein Projekt des BFH-Zentrums Arts in Context.