Kinderarmut

Lebenssituationen von Kindern in der Sozialhilfe – eine Betrachtung aus interdisziplinärer Perspektive

 

Grundlagen
In der Berichterstattung zu Armut und Sozialhilfebezug wird regelmässig darauf hingewiesen, dass Kinder zu jener Bevölkerungsgruppe gehören, die überdurchschnittlich oft von Armut betroffen ist. Im Jahr 2010 betrug die Sozialhilfequote beispielsweise im Kanton Bern insgesamt rund 4 Prozent, die Quote für Kinder von 0 bis 10 Jahren lag hingegen bei etwa 8 Prozent (Regierungsrat des Kantons Bern 2012). In der Schweiz gibt es bisher jedoch erst wenige Untersuchungen, die sich damit beschäftigen, wie Heranwachsende aus ihrer eigenen Sicht die Einschränkungen erleben und damit umgehen. Während andere Betroffenengruppen in der Armutsberichterstattung gelegentlich zu Wort kommen, fehlt in der Schweiz die Sichtweise der Kinder weitgehend.

 


Vorgehen
Zur Beantwortung der Fragestellungen werden die beiden Forschungsmethoden Photo Elicitation Interviews aus der Sozialforschung und Cultural Probes aus der Designforschung miteinander verknüpft. Beide Ansätze berücksichtigen Kinder als handelnde Subjekte, die sich aktiv mit ihrer Lebensumwelt auseinandersetzen, und orientieren sich damit an Erkenntnissen der neueren Kindheitsforschung. Die Kombination der beiden Methoden ermöglicht eine umfassendere Bearbeitung der Forschungsfragen: Die Kinder werden zu Expert/innen ihrer eigenen Situation.

In früheren Studien haben sich beide Ansätze für Beobachtungen in schwer zugänglichen Forschungsfeldern wie zum Beispiel in Privaträumen oder innerhalb der Familienstruktur bewährt. Daneben wird aber auch eine Auseinandersetzung mit Erfahrungen, Gefühlen oder Einstellungen möglich. Bei den Interviews wird durch den Einbezug der individuell gestalteten Materialien insbesondere der Zugang zu Sichtweisen und Werten der Teilnehmenden erleichtert.

 


Ergebnisse
Das innovative methodische Vorgehen im Projekt soll dazu beitragen, dass die Lebenssituationen, Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten der betroffenen Kinder in der Armutsberichterstattung stärker sichtbar werden. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Erweiterung der Armutsberichterstattung in der Schweiz. Zudem soll die Studie als Grundlage dienen, um Massnahmen bzw. Angebote für Kinder, die von Armut betroffen sind, weiterzuentwickeln und wirksamer zu gestalten.

 


ausführliche Informationen zum Projekt (PDF)

 

Schlussbericht (PDF)

 

 

Suche

Projektleitung:

Roland Hauri, BFH-WGS

 

Projektmitarbeit:

Murielle Drack

Beatrice Kaufmann

 

Kooperationspartner:

BFH-WGS: Wirtschaft, Gesundheit, Soziale Arbeit

 

Laufzeit:

01/2014 - 06/2015

 

Finanzierung:

BFH