Warteraum - Universitäres Notfallzentrum am Inselspital Bern

Spitaldesign ist im Wandel begriffen. Standen im 19. und 20. Jh. die Bekämpfung von Infektionskrankheiten und die Schaffung «antiseptischer Räume» im Zentrum (unter Inkaufnahme von räumlicher Kargheit und damit einhergehend von hoher Lautstärke und Hall in Innenräumen), werden mittlerweile immer mehr Stimmen laut, welche die Stressfaktoren thematisieren, denen Patient/innen (und Mitarbeitende) im modernen Spital ausgesetzt sind und die ihrerseits die Gesundheit beeinträchtigen, die Genesung verlangsamen und das Immunsystem schwächen können. Sozialwissenschaften, Neurowissenschaften und Psychologie liefern heute für das Spitaldesign jene wissenschaftlichen Grundlagen, welche im 21. Jh. ebenso wichtig geworden sind wie das Verständnis der Hygienewissenschaften im 19. und 20. Jh.

 

Die Arbeitsgruppe Health Care Communication Design der Hochschule der Künste Bern HKB untersucht die Zusammenhänge und Wirkungen zwischen Raumgestaltung und Gesundungsprozessen. Dabei geht sie von der Erkenntnis aus, dass die physische Umgebung einer Gesundheitsinstitution einen signifikanten Enfluss auf den Gesundungsprozess des Patienten oder der Patientin hat. Durch geeignte gestalterische Massnahmen sollen in vier Bereichen Verbesserungen im Gesundheitswesen angestrebt werden:

 

·       Genesungsprozess von Patient/innen

·       Arbeitskonditionen des Personals

·       Unterstützung von Angehörigen

·       Optimierung der Gebäudeeffizienz (Energieverbrauch, Klima etc.)

 

In der gestalterischen Umsetzung spielt die Integration von Naturelementen eine zentrale Rolle, mithin das Gleichgewicht resp. der Einklang zwischen innerem Erleben und Erleben von Natur. Hierzu gehören die Schaffung eines entsprechenden Ambientes mittels Tageslichtführung, dem gezielten Einsatz von Pflanzen, Wasser und weiteren sensorischen Attraktoren. (Siehe Kasten)

 

Die von der Klinikleitung des Nofallzentrums identifizierte unbefriedigende Empfangssituation (mangelnde Sicherheit der Mitarbeitenden, ungenügender Datenschutz der Patient/innen) und ungünstige Ausrüstung der Warteraumsituation (zunehmende Stressituationen, Kapazitätsprobleme) ist Anlass, die räumlichen, logistischen und gestalterischen Rahmenbedingungen dieser Notfallzonen zu analysieren und mit Gestaltungsvorschlägen zu alimentieren, die den diesbezüglichen Forschungsstand berücksichtigen und in die Praxis umzusetzen vermögen.

 

Mit dem vorliegenden Projekt wird somit beabsichtigt, zeitgemässe Raumkonzeptionen entsprechend bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu entwickeln und die konkreten Empfehlungen zur Umsetzung auf die Bedürfnisse vor Ort empirisch abzustützen.

 

Das während rund 18 Monaten zusammen mit der Klinikleitung Notfall Erwachsene Insel erarbeitete Projekt soll 2017 umgesetzt werden, zusammen mit der Beforschung der obgenannten vier Kernbereiche vor und nach der Intervention. Mit diesem für schweizerische Verhältnisse ambitionierten Projekt sollen auch gestalterische wie empirische Grundlagen geschaffen werden, um die Wirkungsweise von Health Care Design zu überprüfen und damit inskünftig evidenzbasierte Gestaltung zu einem Bestandteil im Gesundheitswesen zu machen.

 

Film zum Projekt auf Youtube: Deutsch / Englisch

 

 

Suche

Projektleitung:

Jean Odermatt

 

Projektverantwortung:

Arne Scheuermann

 

Partner:

Inselspital Bern

 

Finanzierung:

Hochschule der Künste Bern, HKB

 


Ein Projekt des BFH-Zentrums Arts in Context.