Wartezeiten

Wartezeiten in Organisationen und künstlerische Intervention

 

Grundlagen
Soziale Zeit und mechanische Uhrzeit sind unterschiedliche Konzepte, die uns allen aus dem Alltag vertraut sind, ohne dass wir darüber nachdenken. "Die Zeit" vergeht im Spital langsam, in den Ferien oder wenn wir beschäftigt sind mit Windeseile. Obgleich ein zunehmender Beschleunigungsdruck in der Gesellschaft konstatiert wird, leben wir gleichzeitig auch in einer Zeitverschwendungsgesellschaft: Warten im Stau, Warten beim Arzt und bei Behörden verursacht Stress und enorme volkswirtschaftliche Kosten. Nicht zuletzt heisst es "Zeit ist Geld"!

 


Aus einer interdisziplinären Perspektive greift das Projekt das Thema Wartemanagement in Organisationen auf. Es ist damit an der Schnittstelle zum New Public Management angesiedelt, ein Konzept, das auch die Berücksichtigung der Konsumentenperspektive fordert. In der Regel werden Anstrengungen unternommen, objektive Wartezeiten zu verkürzen und Wartende mit Informationen zu versorgen, obgleich subjektives Zeiterleben und Armbanduhrzeit nur sehr bedingt zusammenhängen.

 


Vorgehen
Das vorliegende Projekt geht neue Wege und untersucht den Einfluss künstlerischer Interventionen in Warteräumen, die alle Sinne ansprechen, auf das Warteerleben der Kunden und des Personals in einem Behörden- und einem Spitalkontext. Im Einzelnen werden die jeweiligen Wartezonen für je eine Woche so umgestaltet, dass ein meditatives, beobachtungsorientiertes Raumklima (Variante 1) entsteht, beziehungsweise ein spielerisches, niedrigschwelliges Handlungsangebot (Variante 2) realisiert wird. Dabei kommen etwa Video-Stillleben, Duftkulissen und die Installation projektiver Warteschatten zum Einsatz. Daten zur Wirkungsmessung werden über Kurzinterviews, medizinische Stressparameter und Beobachtung (event recorder) erhoben. Die Rezeption der Raumumgestaltung aus künstlerischer Sicht, sozialwissenschaftliche Perspektiven und Erfahrungen der Praxispartner treffen sich in einer abschliessenden Konsensusveranstaltung und erlauben die Überprüfung der Übertragbarkeit und Ergiebigkeit künstlerischer Interventionen in Warteräumen.

 


Ergebnisse
Die Analysen bestätigen die Ausgangsannahme deutlich, dass man das Warteerlebnis durch eine ganzheitliche künstlerische Raumumgestaltung positiv beeinflussen kann. So zeigten während der Ausgangswoche bei den Einwohnerdiensten 33% der Wartenden bzw. 40% im Inselspital Stressverhalten. Dieser Anteil sank bei den Einwohnerdiensten auf 10% bzw. auf 31 % im Inselspital (handlungseinladendes Raumklima).

 


In der Gesamtraumbeurteilung gaben im unveränderten Spitalwarteraum 33% der wartenden PatientInnen an, es sei ihnen etwas besonders positiv aufgefallen. In den Interventionswochen waren es mit 76% im handlungseinladenden Raumklima bzw. 70% im beobachtungsorientierten Raumklima mehr als doppelt so viele Personen.

 

ausführliche Infomationen zum Projekt (PDF)

 

Schöner warten, Artikel im Horizonte Nr. 102 /2014 (PDF)

 

Plötzlich hechtet der Frosch nach der Fliege, Artikel, Der BUND, 31.3.2012 (PDF)

 

Mit Vogelgezwitscher und Videos gegen die Langweile, Berner Zeitung BZ, 31.3.2012 (PDF)

 

Warten - leicht gemacht, Regionaljournalbeitrag DRS 1, 30.3.2012

 

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ORGANISATION

 

Projektleitung:
Harald Klingemann

 
Projektverantwortung:
Arne Scheuermann

Kurt Laederach, Inselspital Bern

 
Mitarbeit:
Minou Afzali

Annekäthi Bischoff

Vero Kern, veroprofumo

Birgit Krueger, Copa & Sordes

Eric Schmutz, Copa & Sordes

Simon Stähli

Michel Winterberg

 

Kooperationspartner:

Inselspital Bern

Stadt Bern - Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei, EMF
gfs-zürich, Markt & Sozialforschung

 
Laufzeit:
4/2011–3/2013

 
Finanzierung:
Schweizerischer Nationalfonds (Abteilung Interdivisionäre Koordination und kooperative Forschung, CORE)