Visuelle Rhetorik 2

Regeln, Spielräume und rhetorischer Nullpunkt im Informationsdesign am Beispiel des öffentlichen Verkehrs

 

Grundlagen
Das Projekt verfolgte das Ziel, die rhetorischen Wirkmechanismen und Regeln sichtbar zu machen, die im scheinbar rein sachlich-informativen Informationsdesign des öfftenlichen Verkehrs zum Einsatz kommen: Während Werbung mit allen Kräften an die Gefühls- und Gemütsverfassung der Konsumenten appelliert, zeichnet sich Informationsdesign durch Attribute wie Zurückhaltung, Sachlichkeit, im Idealfall gar durch 'reine Informativität' aus. Doch scheint selbst hier eine besondere Art der visuellen Rhetorik im Spiel zu sein, denn auch Reiseinformationen wie Fahrpläne und Wegleitungen werden nach bestimmten Gesichtspunkten und mit einer spezifischen Wirkungsintention gestaltet. Selbst wer einfach nur informieren will, bedient sich der hierfür geeigneten Gestaltungsmittel. Gibt es also einen "rhetorischen Nullpunkt"? Oder muss sich wirksames Informationsdesign auch an gewissen wahrnehmungsleitenden und affektiven – also rhetorischen – Faktoren orientieren?

 


Vorgehen
Das Projekt untersuchte die besonderen rhetorischen Wirkungsweisen des Informationsdesigns im Arbeitsfeld Bahnhof mit dem Ziel, gemeinsam mit der Praxispartnerin SBB konkrete visuelle Anwendungen zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Die praxisbasierte Forschung stützte sich methodisch u. a. auf die rhetorische Designanalyse, die thesengestützte Entwicklung von Designmassnahmen (Research Through Design) sowie qualitative Interviews. Hierbei wurden etliche Massnahmen vergleichend neu gestaltet und in Laborsituationen mit Nutzer/innen evaluiert.

 


Ergebnisse
Zusammengefasst lässt sich folgendes festhalten: Das Informationsdesign des öffentlichen Verkehrs (öV) ist wirkungsintentional. Wirkungen wie Klarheit, Verständlichkeit und Übersichtlichkeit, die zur Erfüllung der Informationsabsicht und Funktionalität (Logos) beitragen, stehen hierbei im Zentrum. Die zentralen Wirkziele werden jedoch durch andere, teilweise unerwartete oder kontroverse Wirkziele begleitet, die ebenfalls einen Einfluss auf die Gestaltung nehmen, wie zum Beispiel Attraktivität, Komfort oder das Vermitteln von Sicherheit. Eine "reine Information" oder einen "rhetorischen Nullpunkt" gibt es nicht, denn selbst Informativität, Schlichtheit und Sachlichkeit sind Wirkziele, die sich durch präzise anzugebende Gestaltungsmittel erreichen lassen.

 


Auch die anderen für das Informationsdesign des öV relevanten Wirkungen lassen sich regelbasiert beschreiben – das heisst: Gestalter/innen können sich (bewusst oder unbewusst) spezifischer Stilmittel oder indirekter Verfahren bedienen, um die im Informationsdesign des öV spezifischen Wirkziele zu erreichen. Es finden sich im Informationsdesign des öV stets Mischungsverhältnisse von Wirkungen auf unterschiedlichen Wirkungsebenen (Logos, Ethos, Pathos) und von unterschiedlicher Intensität (Stilhöhe), die als mehr oder weniger angemessen erlebt werden. Die Angemessenheit der Reiseinformationsgestaltung kann empirisch erhoben werden. Konkret manifestiert sich ein Bedürfnis nach mehr Farbe, Frische und Attraktivität. Gleichzeitig ist der Spielraum für Neugestaltungen im Informationsdesign des öV durch einen hohen Anspruch an Funktionalität, Wiedererkennbarkeit und Sachlichkeit sowie durch Kontextfaktoren wie internationale Gestaltungsstandards stark eingeschränkt.

 

 

Interessierte können gerne den ausführlichen Forschungsbericht bei uns bestellen (research@remove-this.hkb.bfh.ch).

 

ausführliche Informationen zum Projekt (PDF)

 

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ORGANISATION

Projektleitung:

Annina Schneller

 

Projektverantwortung:

Arne Scheuermann

 

Mitarbeit:

Hélène Jordi-Marguet

Simon Küffer

Harald Klingemann

 

Kooperationspartner:

Schweizerische Bundesbahnen SBB

Hochschule der Medien Stuttgart

 

Finanzierung:

Schweizerischer Nationalfonds, DORE

 

Laufzeit:

2/2010–9/2011