- Story
HKB-Student Basile Mudry befragt
18.03.2026
Im Rahmen seines Fine-Arts-Studiums thematisiert und hinterfragt Basile Mudry die soziale und heteronormative Stigmatisierung aus einer queeren Perspektive.
Wie heisst dein Projekt?
Mein Projekt heisst «Spring wie ein Frosch, ohne jemals wieder auf den Boden zu fallen». Die etwa fünfzehnminütige Performance befasst sich mit verschiedenen Aspekten. Die Verschwörungstheorie von Alex Jones aus dem Jahr 2015, wonach Chemikalien im Wasser Frösche homosexuell machen würden, war mein Ausgangspunkt. Ich fand das so absurd, dass ich mit einer Projektarbeit darauf reagieren wollte. Zusätzlich wollte ich auf andere, persönlichere Aspekte eingehen, zum Beispiel auf diese Typen, die sich, einmal alleine mit mir, so wohl fühlten, mir Fragen zu meiner eigenen Sexualität zu stellen. Mit der Performance gebe ich ihnen Antworten.
Kannst du uns mehr über diese Theorie von Alex Jones erzählen?
Es handelt sich um eine Verschwörungstheorie, die besagt, dass Chemikalien im Wasser Frösche homosexuell machen würden. Es stimmt zwar, dass sich das Geschlecht von Fröschen verändert, aber das Problem bei den Behauptungen von Alex Jones ist, dass er das Thema einzig auf die Sexualität der Frösche reduziert. Die Theorie wird auf die menschliche Bevölkerung übertragen: Sie suggeriert im Grunde, dass Menschen, die dieses Wasser trinken, homosexuell werden. Das Problem liegt jedoch woanders: Es gibt kein Hinterfragen der eigenen Sexualität oder der eigenen Männlichkeit. Menschen, die dieser Verschwörungstheorie anhängen, glauben, dass die US-Regierung die menschliche Sexualität reguliert und uns generell «homosexueller» machen will.
Mein Ziel bei diesem Projekt war es, mich in diesen Frosch zu verwandeln, indem ich das angeblich verschmutzte Wasser aus den Flaschen um mich herum trank, und dann zum «homosexuellen Frosch» zu werden. Auf diese Weise antworte ich ihnen.
«Ich verwandle mich nach und nach in einen Frosch»
Wie sieht die Umsetzung deines Projekts aus?
Ich habe mich entschieden, ein zwei Quadratmeter grosses Stück Kunstrasen in die Mitte des Raumes zu legen – mit Scheinwerfern direkt darüber. Ich bewege mich in und um dieses Quadrat: Manchmal verlasse ich es, manchmal bleibe ich in der Mitte. Aus den zwölf Wasserflaschen, die um mich herum angeordnet sind, trinke ich im Laufe der Performance etwas Wasser. Danach stelle ich sie jeweils wieder auf den Boden. Das Material Kunststoff ist hier wichtig: Man bringt die Plastikflaschen sofort mit dem Thema Wasserverschmutzung in Verbindung. Auch wenn sie hier sehr schlicht und ohne Markenzeichen eingesetzt sind, stehen sie doch für unsere Neigung zum Überkonsum. Ich spreche von zwei Arten von Verschmutzung: von derjenigen, die wir verursachen und von der, die wir durch unsere Konsumgewohnheiten erzeugen.
Während der gesamten Performance trage ich zudem eine Kappe mit einem brennenden Frosch darauf. Ich hatte Glück, sie zu finden, entworfen hat sie eine Designerin aus der Westschweiz. Die Kappe verweist direkt auf das Froschsymbol, das bei den Demonstrationen der «No Kings»-Bewegung in den Vereinigten Staaten Amerikas verwendet wird. Manche Menschen ziehen sich in aufblasbaren Froschkostüme über, um zu sagen: «Ich komme, um zu protestieren, ich komme, um auf die Strasse zu gehen, aber ich bin nicht in Gefahr.» Der Einsatz dieses Symbols war für mich eine Möglichkeit, mich ihnen anzuschliessen.
Das letzte Objekt ist die Froschpfote, die wie ein Huf funktioniert. Zu einem bestimmten Zeitpunkt der Performance ziehe ich sie an und sie wird eine Art Verlängerung meines Körpers, und ich verwandle mich nach und nach in einen Frosch.
Der erste Teil der Performance dauert etwa fünf Minuten und findet in völliger Dunkelheit statt. Ein einziger Scheinwerfer zeichnet einen Kreis um das Quadrat aus Kunstrasen, was fast wie eine Seerose wirkt. Ich liege in der Mitte und singe zu einer Musik. Ich nenne diese Musik ein «Welcoming Song», denn sie soll das Publikum willkommen heissen, während es den Raum betritt und um mich herum Platz nimmt.
Danach setzt eine andere Musik ein, und ich beginne mich zu bewegen. Zwischen den Bewegungen, während derer ich mich beinahe als Frosch auf dem Teppich wiederfinde, mache ich Pausen. Ich trinke vom Wasser, während ich das Publikum anschaue und mit meinem Blick konfrontiere. Danach erzähle ich Anekdoten über die Männer, die sich sehr wohl dabei fühlten, mir Fragen zu meiner Sexualität zu stellen. Anschliessend spreche ich das Thema Wasserverschmutzung an und was das bedeutet. In diesem Moment verbinde ich also diese Elemente mit meiner persönlichen Erfahrung: Ich greife die Verschwörungstheorie wieder auf und kritisiere sie gewissermassen.