Analyse junger Menschen in der IV
Psychische und neuropsychologische Krankheitsbilder nehmen bei den 18- bis 25-Jährigen zu. Das Projekt erarbeitet Grundlagen, welche die IV Stelle Kanton Bern bei der Weiterentwicklung von Beratungs- und Begleitangeboten unterstützt.
Steckbrief
- Beteiligte Departemente Soziale Arbeit
- Institut(e) Institut Soziale Sicherheit und Sozialpolitik
- Strategisches Themenfeld Themenfeld Caring Society
- Förderorganisation Andere
- Laufzeit (geplant) 14.08.2025 - 31.03.2026
- Projektleitung Dr. Christoph Tschanz
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Projektmitarbeitende
Pascal Wyssling
Dominik Emanuel Grob
Nathalie Joder
Prof. Matthias von Bergen - Partner IV-Stelle Kanton Bern
- Schlüsselwörter Jugendliche, Junge Erwachsene, Invalidenversicherung, Psychische Erkrankungen, Beratung, Prävention
Ausgangslage
In den letzten Jahren ist schweizweit ein deutlicher Anstieg von Invalidenrenten aufgrund psychischer Erkrankungen sowie neuroentwicklungsbedingter Störungen zu beobachten. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen stellen eine zentrale Herausforderung für die Invalidenversicherung dar, insbesondere im Hinblick auf Prävention, Beratung und nachhaltige Arbeitsintegration. Junge Menschen mit entsprechenden Beeinträchtigungen sind an zentralen Übergängen besonders gefährdet.
Um auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen angemessen reagieren zu können, hat die IV-Stelle Kanton Bern den Bereich Beratung und Begleitung neu geschaffen. Mit niederschwelligen, kund*innenorientierten Beratungsangeboten ergänzt der Bereich die bestehenden Leistungen der IV und stärkt frühe Information, Sensibilisierung und Prävention. Ein weiterer Bestandteil des Bereichs ist die verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit mit Leistungserbringenden und weiteren relevanten Akteur:innen. Massnahmen werden kontinuierlich weiterentwickelt und aufeinander abgestimmt, um eine wirksame, bedarfsgerechte und zukunftsorientierte Begleitung sicherzustellen.
Damit diese Vorhaben wirksam, effizient und auf bestehende Strukturen abgestimmt umgesetzt werden können, bedarf es einer fundierten Analyse der Zielgruppen, der bestehenden Angebote und der aktuellen Entwicklungen. Die BFH wurde beauftragt, diese fachlichen Grundlagen zu erarbeiten.
Vorgehen
Um fundierte Entscheidungs- und Entwicklungsgrundlagen für die geplanten Massnahmen im Bereich Beratung und Begleitung der IV Stelle Kanton Bern zu erarbeiten, verfolgt die Zusammenarbeit der BFH mit der IV-Stelle Kanton Bern einen systematischen und praxisorientierten Ansatz. Im Zentrum steht eine integrierte Betrachtung der Zielgruppen, der bestehenden Versorgungslandschaft und der aktuellen Entwicklungen an zentralen Übergängen in Bildung und Arbeitsmarkt.
Das Vorgehen kombiniert die Auswertung bestehender Daten und Studien mit einer gezielten Analyse der kantonalen Angebots- und Akteurslandschaft. Ergänzend werden Perspektiven zentraler Stakeholder aus Verwaltung, Bildung, Sozial- und Gesundheitswesen sowie Wirtschaft einbezogen, um Bedarfe, Herausforderungen und Potenziale aus der Praxis sichtbar zu machen. Dabei werden sowohl strukturelle Rahmenbedingungen als auch konkrete Good-Pratices in der Umsetzung berücksichtigt.
Ergebnisse
Die Analyse zeigt, dass der Anstieg von IV-Neuanmeldungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgrund psychischer Erkrankungen und neuroentwicklungsbedingter Störungen auf ein komplexes Zusammenspiel gesellschaftlicher Entwicklungen, veränderter diagnostischer Praxis und realer Belastungszunahmen zurückzuführen ist. Auch die Analysen und die Rückmeldungen der Stakeholder machen deutlich, dass insbesondere an Übergängen zwischen Schule, Ausbildung, Erwerbsleben und Unterstützungsangeboten erhöhte Risiken bestehen.
Gleichzeitig verfügt der Kanton Bern über eine grundsätzlich gut ausgebaute Angebotslandschaft, deren Vielfalt und Fragmentierung jedoch die Orientierung und Koordination für Betroffene und Fachpersonen erschweren können. Vor diesem Hintergrund kommt einer niederschwelligen Beratung, einer frühzeitigen Information und Sensibilisierung sowie einer aktiven Vernetzung der beteiligten Akteur*innen besondere Bedeutung zu.
Die IV-Stelle kann dabei eine wichtige Koordinations- und Orientierungsfunktion übernehmen und gemeinsam mit Partnerinstitutionen dazu beitragen, dass Unterstützungsangebote frühzeitig, abgestimmt und wirksam zugänglich werden.
Ausblick
Die gewonnenen Erkenntnisse unterstützen die IV-Stelle Kanton Bern bei der strategischen Weiterentwicklung ihres Angebots. Im Fokus stehen frühzeitige Unterstützung, Koordination und nachhaltige Integration.