E-LKW lädt erstmals mit über 1,1 Megawatt Leistung

26.08.2025 Der Designwerk Technologies AG gelang innerhalb eines Forschungsprojekts mit der BFH im Juli ein Meilenstein: Unter Realbedingungen wurde erstmals eine Ladeleistung von über einem Megawatt für Elektro-LKW erreicht. Damit wird die Schnellladung grosser LKW-Batterien Realität und der erfolgreiche Langstreckeneinsatz rückt in greifbare Nähe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Juli lud ein E-LKW erstmals mit einer Leistung von über 1,1 Megawatt.
  • Damit wird die Schnellladung grosser LKW-Batterien Realität und der erfolgreiche Langstreckeneinsatz rückt in greifbare Nähe.
  • Die BFH forscht innerhalb des Projekts am Einsatz der LKW-Batterien für einen Second-Life-Betrieb und geht der Frage nach, welchen Einfluss das Schnelladen auf die Batterie des E-LKW hat.

Die Tests fanden im Juli auf dem Werkhof des Nationalstrassen Gebiets VI, kurz GEVI, im schweizerischen Oberbüren SG statt. Die nun vorliegenden Resultate verdeutlichen, dass mit dem Megawatt Charging System (MCS) eine entscheidende Grundlage für den schweizweit flächendeckenden Einsatz von Langstrecken-E-LKW vorhanden ist. Damit wurde das Hauptziel des Projekts erreicht.

Forschende des Zentrums für Energiespeicherung der BFH untersuchten im Rahmen des Projekts, wie weit sich Second-Life-Batterien für den weiteren Betrieb eignen. Zudem gingen sie der Frage nach, welchen Einfluss das Schnellladen auf die Batterie des E-LKW hat. Das Projekt wird vom Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt.

Forschungsprojekt «Megawatt Charger für E-LKW»

Eine Schnellladestation, mit der E-LKW innerhalb von 45 Minuten aufgeladen werden können, soll die Fahrzeuge langstreckentauglich machen. Damit soll der Anteil an emissionsarmen Transportmitteln erhöht werden.

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Ladetests mit Spitzenwerten

Schon im Vorfeld wurden interne Testreihen durchgeführt, um die Ladekommunikation, Steuergeräte und Leistungselektronik optimal aufeinander abzustimmen. In Abschlusstests wurde die Ladeleistung schrittweise erhöht, bis eine Spitzenleistung von 1’140 Kilowatt erzielt wurde – acht Prozent mehr als die ursprünglich Zielvorgabe von 1’050 Kilowatt.

Beim vollständigen Ladevorgang eines Designwerk-Prototypen-LKWs mit 1‘000 Kilowattstunden Batteriekapazität wurde von 10 auf 80 Prozent Ladezustand in 42 Minuten geladen. Dabei flossen 625 Kilowattstunden Energie, bei einer durchschnittlichen
Ladeleistung von 906 Kilowatt und der höchsten Dauerleistung am Markt. Damit kann ein 40-Tonner-Elektro-LKW eine Strecke von mehr als 500 Kilometern bewältigen.

Die erforderlichen Ladezeiten liegen im Zeitrahmen gesetzlicher Fahrerpausen, was den Alltagseinsatz von elektrischen Langstrecken-LKW deutlich erleichtert. Zum Vergleich: In den ersten fünf Minuten wurden bereits 81 Kilowattstunden geladen – das wäre genug, um ein Elektroauto vollständig aufzuladen.

 

E-LKW lädt erstmals mit über 1,1 Megawatt Leistung

Flexible Energiespeicherung mit Batteriepuffern

Das Megawatt-Ladesystem von Designwerk ist als Containerlösung konzipiert und kann überschüssige Energie in integrierten Batteriepuffern zwischenspeichern. So lässt sich lokal erzeugter Solarstrom auch dann nutzen, wenn keine direkte Sonneneinstrahlung vorhanden ist. Zudem wird das Stromnetz von Leistungsspitzen entlastet und der Ausbau der Netzanschlüsse entfällt. Neben neuen Speichern können auch Second-Life-Batterien aus ausgemusterten E-LKW eingesetzt werden, was ökologische und wirtschaftliche Vorteile bietet.

Erfahrung im Spezialfahrzeugbau als Erfolgsfaktor

Designwerk entwickelt nicht nur Ladeinfrastruktur, sondern auch elektrische Spezialfahrzeuge. Diese Kombination ermöglicht es, Ladegeräte und Fahrzeuge optimal aufeinander abzustimmen. «Ein 40-Tonner lädt dank Mega Charging so schnell, wie ein Elektroauto – nur mit deutlich mehr Leistung. Das ist der Schlüssel, um den Schwerlastverkehr zu elektrifizieren», erklärt Niels Ross, Projektleiter Ladetechnik von Designwerk.

Ein Meilenstein für die Branche und Dekarbonisierung

Die Testergebnisse eröffnen neue Perspektiven für den Einsatz von E-LKW im Fernverkehr. Tagesreichweiten von bis zu 1‘000 Kilometern sind technisch möglich, selbst für Fahrzeuge mit hohem Energiebedarf. Für Ladepunktbetreiber bietet die batteriegestützte Technologie von Designwerk eine Möglichkeit, ohne Netzausbau Megawatt-Ladeinfrastruktur bereitzustellen. Der Einsatz von E-LKW im Fernverkehr kann jährlich tausende Tonnen CO₂ einsparen – ein entscheidender Schritt für die Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs. Die Vorteile elektrischer LKW schlagen sich auch in den Zulassungszahlen nieder. Die Anzahl in der Schweiz immatrikulierter, batterieelektrischer Trucks ist in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2025 um 41,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

In den kommenden Monaten will Designwerk die Integration von Funktionen zur intelligenten Steuerung und Netzeinbindung vorantreiben. Mittlerweile läuft die Kleinserienproduktion, und das finale MCS-Kommunikationsprotokoll wird implementiert.

  • Wann: 28. – 31. Juli 2024
  • Wo: Nationalstrassen Gebiet VI (GEVI), Oberbüren SG
Testaufbau
Fahrzeug: Designwerk-Prototypen-E-LKW, 800-Volt-Plattform, Gesamtkapazität von 1’000 kWh
(aufgeteilt in 4 x 250 kWh Lithium-Ionen-Batterien)

Ladeinfrastruktur: Megawatt Charging System (MCS) mit integriertem Batteriepuffer (Lithium-Ionen NMC)

Messwerte
Maximale Ladeleistung: 1’140 kW (8 % über Zielwert)
Dauerlast-Test: 625 kWh in 42 Minuten (10 –80 % SoC)
Durchschnittliche Ladeleistung: 906 kW
Maximaler Ladestrom: 1’530 A
Projektziele und Ergebnisse
Ziel: Nachweis des Megawatt-Ladens unter Realbedingungen

Ergebnis: Technisches Ziel erreicht, Ladezeiten im Bereich gesetzlicher Fahrerpausen

Besonderheiten

Einsatz von integrierten Pufferspeichern für netzunabhängiges Laden

Nutzung von Second-Life-Batterien möglich

Containerbasierte, mobil einsetzbare All-in-One-Lösung

Projektbeteiligte
Projektleitung: Designwerk Technologies AG
Unterstützung: Bundesamt für Energie (BFE)
Pilotkunden: Galliker Transport AG, Nationalstrassen Gebiet VI (GEVI)

Projektpartner: Berner Fachhochschule BFH, Ostschweizer Fachhochschule OST, Wyssmann LLC

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