HKB-Alumna Sarah Moeschler befragt

19.09.2022 Die Schauspielerin Sarah Moeschler hat dieses Frühjahr den Master of Expanded Theater an der HKB abgeschlossen. Heute ist sie im Ensemble des Schauspielhauses Zürich und bereitet ihre Rolle in «Pinocchio» vor.

Die kurzhaarige Frau trägt eine grüne Jacke, die Kapuze lässt etwas Kopfhaar und das Gesicht sehen. Die Frau hat einen dunklen Teint, dunkle Haare und Augen. Sie steht vor einem Fluss in einer Industriezone. Hinter ihr gibt es eine runde Brücke – im Bild macht diese einen Bogen über der Frau. Bild vergrössern
Foto: Fatih Kurceren

Die Schauspielerin aus La Chaux-de-Fonds liebt Abenteuer und nimmt das Leben, wie es kommt. So ist sie nach ihrem Biologie-Studium nach England gereist und hat dort an der Universtität Bristol als wissenschaftliche Assistentin gearbeitet. Später hat sie in Bern in Virologie promoviert und gleichzeitig am Konservatorium Freiburg ein Schauspielzertifikat gemacht. Danach hat sie sich an einer Theaterschule in Lausanne eingeschrieben. Als unabhängiger und freier Mensch war sie ihr zu schulisch und so hat Sarah Moeschler nach einem Jahr an die HKB gewechselt und den Master Expanded Theater gemacht. Für die kommende Theatersaison ist sie am Schauspielhaus Zürich engagiert.

Du hast einen bemerkenswerten Lebenslauf! Warst du vor dem Biologiestudium interessiert am Schauspiel?

Ich denke schon, die Schauspielerei war allerdings in meiner Umgebung nicht als Beruf «bekannt». Privat war ich nie im Theater und für einen Kurs hielt ich mich für zu schüchtern. Als ich während meiner Zeit in Bristol für einen Monat in einem Labor in Toulouse arbeiten ging, hat ein Plakat mit der Aufschrift «Theater Workshop» meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich habe mich angemeldet. Es war ein magischer Moment für mich, ich hatte unglaublich viel Spass auf der Bühne – das Feuer in mir war entfacht! Zurück in Bristol habe ich auf Englisch einen Improvisationskurs gemacht. Das angebotene Doktoratsprogramm habe ich zurückgewiesen, weil ich unbedingt in meiner Muttersprache spielen wollte. Ich habe das Doktorat schliesslich in Bern gemacht und nebenbei drei Jahre am Konservatorium Freiburg Theater gespielt.

Warum hast du dich für den Master Expanded Theater an der HKB entschieden und wurden deine Erwartungen erfüllt?

Da ich mich an der Schauspielschule in Lausanne eingeschränkt fühlte, habe ich mich umgeschaut. Der Masterlehrgang der HKB hat mich überzeugt – auch deshalb, weil er frei und individuell gestaltbar ist. Die Zusammenarbeit mit Zürich, Verscio und Lausanne ermöglicht bestimmte Studienangebote ausserhalb Berns zu besuchen. Das und die Partnerschaften mit Hochschulen im Ausland haben mich angezogen. Ich habe zum Beispiel einen von der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK angebotenen Workshop am «Song oft he Goat Theater in Breslau, Polen, gemacht: Diese andere Art der Bühnenarbeit kennenzulernen ist sehr bereichernd. 
An der HKB habe ich die beste Studienzeit meines Lebens verbracht! Für mich war es eine «Academy of Freedom and Creation». Die HKB war für mich ein richtiger Treffer; ich war begeistert und spürte das volle Vertrauen der Lehrpersonen. Ohne Bachelor in Schauspiel in der Tasche, fürchtete ich keinen Platz als Schauspielerin finden zu können. Leiter des Fachbereichs Theater, Wolfram Heberle, hat mir vorgeschlagen, beim Absolventenvorsprechen AVO mitzumachen. Dadurch bin ich zu meinen ersten Engagements gekommen: 2020 war ich in Bochum als Gastspielerin und 2021 am Theater an der Ruhr fest engagiert gewesen.

Heute bist du im Ensemble des Schauspielhauses Zürich. Wie ist es dazu gekommen?

Beworben habe ich mich 2020 am Schauspielhaus. Ich hatte mein Engagement beim Theater an der Ruhr bereits angetreten, als mich das Schauspielhaus Zürich angerufen und hatte. Als ich das Angebot ablehnen musste, wurde ich gebeten, mich vor meinem Masterabschluss zu melden. Im Dezember 2021 habe ich schliesslich angefragt, ob sie noch Vorsprechen hätten. Die Antwort lautete «Ja, in zwei Tagen». Also habe ich meine Rollen intensiv aufgearbeitet und bin gegangen. Sie haben mich engagiert. Das Haus ist gross und Druck ist da: jetzt muss ich gut sein. Wir spielen «Pinocchio» als Physical Theatre mit der Kalifornischen Regisseurin Wu Tsang. Ich lebe einen Traum!

Das Gespräch führte Ursina Orecchio

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