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HKB-Student Linus Tschopp befragt

26.05.2026 Linus Tschopp schliesst diesen Sommer sein Bachelor-Studium Musik Klassik auf dem Euphonium ab. Kurz vor seinem Abschlussrezital haben wir mit ihm über das Instrument und den Abschluss gesprochen.

Der junge Mann trägt sein Euphonium vor sich
Linus Tschopp und sein Euphonium

Linus, du spielst ein eher unbekanntes Blechblasinstrument, das Euphonium. Wie bist du auf das Instrument gestossen?

Bei uns im Dorf haben wir einen Musikverein, wie es in der Schweiz viele Dörfer haben. Als Achtjähriger besuchte ich gemeinsam mit meinen drei älteren Brüdern eine Instrumentenvorstellung. Meine Brüder spielten zu dem Zeitpunkt alle bereits ein Instrument. Mir gefielen die Posaune und das Euphonium. Weil einer meiner Brüder bereits Posaune spielte, fiel meine Wahl auf das Euphonium.

Du hast zunächst eine Berufsausbildung gemacht. Wie kam es, dass du dich später für den Bachelor Musik Klassik an der HKB angemeldet hast?

Ja, für mich war das Spielen auf dem Euphonium lange nur ein Hobby. Ich habe mich für eine Berufslehre als Zimmermann entschieden und nebenbei gespielt. Irgendwann wollte ich meinen Weg mit dem Euphonium vertiefen und entschied mich für ein Musikstudium hier an der HKB. Für mich war klar, dass ich hier viel ausprobieren möchte: Ich wollte kammermusikalisch neue Wege gehen und habe ein Duo mit einer Harfenistin gegründet – etwas bis dahin Seltenes. Zudem gründete ich zusammen mit einem Perkussionisten ein weiteres Duo.

«Es hat einen warmen Klang, ist extrem virtuos, hat einen grossen Tonumfang und es ist auch solistisch ein sehr gut geeignetes Instrument.»

  • Linus Tschopp

Jetzt bist du im letzten Semester und stehst kurz vor deinem Bachelorrezital. Magst du uns etwas davon erzählen?

Ja, die Idee für mein Bachelor-Rezital kommt aus diversen Erfahrungen aus dem bisherigen Studium: Ich verbinde das Euphonium mit verschiedensten Perkussionsinstrumenten. Ich spiele drei Stücke, zwei davon im Duo zusammen mit dem Perkussionskollegen und eines – das Hauptwerk – «Euphonium Concerto» von Martin Ellerby im Trio zusammen mit dem Pianisten François Kilian und dem Perkussionisten Adrian Popp.

Die Vorbereitungen für das Rezital haben im fünften Semester angefangen. Zunächst mit der Entscheidung, welche Literatur ich gerne spielen würde, und nachher mit dem tiefen Einstudieren der Literatur. Mein Programm ist sehr vielseitig und bietet mir grosse Herausforderungen jeglicher Art.

In welche Richtung gehst du jetzt? Welche(n) Beruf(e) peilst du an?

Für mich setzt sich der Berufsalltag jetzt schon vielseitig zusammen. Neben meiner Hauptbeschäftigung, dem Spielen und Konzertieren auf dem Instrument, unterrichte ich das Euphonium auch. Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie des Unterrichtens werde ich ab kommendem Herbst den Studiengang Master of Arts in Music Pedagogy – Klassik beginnen. Ausserdem kann ich mir vorstellen, mich in Zukunft intensiver dem Dirigieren zu widmen. Es gibt an der HKB einen Masterstudiengang Blasmusikdirektion und das ist für mich eine Option, denn das Dirigieren finde ich interessant. Es verbindet die verschiedenen Bereiche des Spielens, vom Leiten, vom Pädagogischen oder vom Analysieren von Musik.

Du hast schon an Wettbewerben teilgenommen. Meldest du dich jeweils selbst an oder macht das jemand aus deinem Umfeld? Worin liegt der Reiz an einer Wettbewerbsteilnahme?

Ich habe mich immer selbst angemeldet. Für mich stellt die Teilnahme an einem Wettbewerb eine gute Herausforderung dar, um auf einen Zeitpunkt hin alles zu investieren, was geht. Besonders wertvoll finde ich, dass man mit Leuten zusammenkommt, die das gleiche Interesse haben. So entsteht ein für unseren Beruf enorm wichtiges Netzwerk.

Du hast es eingangs erwähnt, dass dir das heutige Gespräch die Gelegenheit gegeben hat, nochmal darüber nachzudenken, warum du das Instrument eigentlich gewählt hast und vertiefst. Bitte erzähle uns davon.

Hier im Studium überlegen wir manchmal, wohin es gehen soll, weil wir wissen, dass das Euphonium kein Instrument mit besonders grosser Reichweite ist – kein breites Publikum hat. Das ist einerseits eine grosse Herausforderung und andererseits eine gute Möglichkeit: Es liegt jetzt an uns Euphonisten und Euphonistinnen, etwas dazu beizutragen, dass das Euphonium seinen Platz in der Musikwelt hat. In welcher Form auch immer. Ich spiele das Euphonium sehr gern, ich unterrichte es auch gerne. Das Wichtigste für mich ist es, meine Freude am Instrument weiterzugeben.

Das Euphonium ist in einer Nische, die unter anderem mit Militärmusik verknüpft ist. Meinst du, das schreckt gewisse Menschen ab?

Es ist tief verankert in der Blasmusikszene, in der Blasmusiktradition. Man bringt es in Verbindung mit Militär, mit Musikfesten, Uniform und Marschmusik. Aber es kann viel mehr als das! Es wird bisher leider wenig in Symphonieorchestern eingesetzt. Jedoch funktioniert das Euphonium mit den allermeisten Instrumenten zusammen. Es hat einen warmen Klang, ist extrem virtuos, hat einen grossen Tonumfang und es ist wirklich auch solistisch ein sehr gut geeignetes Instrument.

Das Instrument ist total vielseitig, ja, und ich glaube, da ist viel Potential. Das können die Leute nicht wissen, weil sie es schlicht und einfach nicht kennen.

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