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HKB-Studentin Elena Leyla Signer befragt
26.10.2026 In «Ez û Tu» befasst sich Elena Leyla Signer mit ihrer kurdischen Herkunft. Wir haben die HKB-Studentin in den Vorbereitungen für die Ausstellung im Cabane B getroffen und über das Projekt gesprochen.
Elena erwartet uns im Auditorium an der Fellerstrasse, wo sie gerade das Druckpapier für ihre Texte auswählt. Ab Ende Oktober sind die Texte im Cabane B ausgestellt. Die Bachelorstudentin in Vermittlung in Kunst und Design erzählt uns, dass ihr die Details ihres Projektes sehr wichtig seien, da es ein eher «simples» Projekt ist mit wenigen Elementen – da müsse alles passen.
Um was geht es in deinem Projekt «Ez û Tu»?
Im Projekt «Ez û Tu» geht es um meine kurdische Herkunft. Mein Vater ist im selben Alter aus Kurdistan geflohen, wie ich hier an der HKB angefangen habe zu studieren: mit 20. Als er damals in die Schweiz kam, hat er hier in Bümpliz in einer Asylwohnung gelebt. Dass wir im gleichen Alter am selben Ort, aber in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen waren, hat viele Gefühle in mir ausgelöst.
Meine kurdische Herkunft hat für mich immer viele Fragen aufgeworfen. Mein Vater hat mich stolz kurdisch erzogen, jedoch aus zeitlichen Gründen nie die Sprache gelehrt. Ich spürte immer ein Gefühl von Zugehörigkeit, aber trotzdem auch Scham – ein Gefühl, dass ich nicht ganz dazugehöre.
«Ich spürte immer ein Gefühl von Zugehörigkeit, aber trotzdem auch Scham»
Wie kann man sich dein Projekt im künstlerischen Raum vorstellen?
Ich habe das Projekt in fünf Themen aufgeteilt mit fünf Tafeln, welche verschiedene Aspekte der kurdischen Kultur aufgreifen. Diese werden auf Augenhöhe aufgehängt. Bei jedem Thema hat es einen persönlichen Text, wie ich zu diesem Thema stehe. Mir waren die persönlichen Texte wichtig, damit ich den Besucher*innen einen Kontext gebe, aus welcher Perspektive ich über das Projekt rede.
Die persönlichen Texte sind in Handschrift auf Deutsch geschrieben, wobei ich für die kurdische Übersetzung bewusst eine Computerschrift gewählt habe. Damit lege ich offen, dass ich nicht kurdisch schreiben kann. Trotzdem war es mir wichtig, dass es im Projekt Platz hat. Auf der Rückseite stehen fragmentarisch historische Texte auf einer informativen Basis. Die Besucher*innen sind angehalten, die Blätter mitzunehmen.
Seit ich auf der Welt bin, ist es ein sehr wichtiges Thema für mich. Ich habe schon früh gemerkt, dass Leute in meinem Umfeld nicht wirklich viel über Kurd*innen wussten. Als ich noch ein kleines Mädchen war, hatte ich darüber oft Unverständnis, weil es in meinem Leben einen so grossen Platz einnimmt. Ich will mit diesem Projekt den Besucher*innen auch einen Zugang zum Thema geben.
Mit dem Saaltext möchte ich klarstellen, dass das Projekt aus meiner persönlichen Sicht ist, da schreibe ich zum Beispiel: «Ich schäme mich an manchen Tagen, bin ich Kurdin, Kurdin genug, ich bin Kurdin, die nicht kurdisch kann.» Damit will ich den Besucher*innen ein Verständnis dafür geben, aus welcher Perspektive das Projekt entstanden ist.
Kurdische Frage
Mit geschätzt 30–35 Millionen Menschen, gelten die Kurden als das grösste Volk der Welt ohne eigenen Nationalstaat. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über die vier Staaten Türkei, Syrien, Irak und Iran, welches als Kurdistan bezeichnet wird. Kurdische Bestrebungen für einen eigenen, autonomen Staat gibt es seit dem 1. Weltkrieg, wobei es immer wieder zu Konflikten kommt.
Du hast dich stark mit deiner und der Geschichte deines Vaters auseinandergesetzt. Hast du dabei etwas Neues herausgefunden?
Meine künstlerische Sprache ist oft ein tiefes Auseinandersetzten mit mir selbst. Ich bekomme von dort oft einen Drang, etwas zu erschaffen. Als ich das erste Mal die Texte geschrieben habe, war es schwierig, weil eine Scham oder eine Trauer über mich kam. Da habe ich gemerkt, dass ich mich stark zum Thema hingezogen fühle.
Ich habe die Texte meinem Vater vorgelesen und es hat ihn sehr berührt. Wir haben anschliessend darüber gesprochen, weil mir seine Perspektive auch wichtig war. So ist auch der Titel «Ez û Tu» (dt. Ich und Du) entstanden. Das Sprechen ist in der kurdischen Kultur sehr wichtig, lange war Kurdisch eine Sprache, die hauptsächlich gesprochen und nicht per se geschrieben wurde. Diese Komponente wollte ich auch im Projekt aufgreifen mit den Blättern, welche die Besucher*innen mitnehmen sollen. Durch die begrenzte Anzahl der Blätter liegt die Verantwortung auch bei den Besucher*innen, die Blätter weiterzugeben, zu bewahren und über sie zu erzählen.
Wie ist es dazu gekommen, dass du im Cabane B ausstellst?
Das Cabane B hatte letzten Sommer einen Open Call, wo ich mich beworben habe. Ich fand das Gebäude schon immer interessant. Es ist ein bisschen unscheinbar, weil es so klein und aussen rostig ist. Andererseits steht es direkt am Bahnhof Bümpliz Nord, wo enorm viel Betrieb herrscht.
Elenas Projekt «Ez û Tu» ist vom 29. Oktober bis zum 4. November im Cabane B neben dem Bahnhof Bümpliz Nord ausgestellt. Die Vernissage findet am 29. Oktober um 17 Uhr statt.