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HKB-Studentin Mira Yasmin Guggenbühl befragt

23.09.2026 Mira studiert an der HKB im ersten Jahr Schauspiel. Im Interview spricht sie über das Grundlagenprojekt «Hirrenwirren», das sie gemeinsam mit ihren elf Mitstudierenden entwickelt hat und am 10. Oktober aufführt.

Eine junge Frau schaut in die Kamera. Sie trägt dunkle Kleider.
Mira Yasmin Guggenbühl am Zikadenweg in Bern. Bild: Tina Schück / HKB

Wir treffen Mira am Morgen vor ihrem Unterricht im Bewegungsraum am Zikadenweg 35, wo die Student*innen den Tag jeweils mit Tanz, Akrobatik oder Aikido starten. Tanz bevorzugt Mira Guggenbühl eindeutig. Sie ist aber zuversichtlich, dass sie sich auch mit Akrobatik anfreunden werde. Während den Vorbereitungen erzählt sie uns, dass sie wegen des intensiven täglichen Trainings doppelt so viel esse, als vor dem Studium. Entsprechend gestärkt haben wir also mit dem Gespräch begonnen.

Womit startet man im Schauspielstudium an der HKB?

Im ersten Semester hat man schauspielerische Grundlagen. Diesen Unterricht hat man immer als ganze Klasse durch das ganze Semester hindurch. Das Grundlagenprojekt, an dem etwa fünf Wochen gearbeitet wird, ist der Abschluss des Semesters. Es dauert etwa fünf Wochen. Mit welchen Texten man arbeitet, entscheiden die Dozierenden. Der Arbeitsprozess ist dann aber sehr kollektiv. Die Szenen werden in kleinen Gruppen erarbeitet, diese werden zusammengestellt und man ist das erste Mal gemeinsam auf der Bühne. Die Uni sieht auch das erste Mal die ganze Klasse auf der Bühne zusammen. Es ist das Ende des ersten Semesters und gleichzeitig auf eine Art und Weise der Anfang des Studiums.

Ihr habt Texte von Ernst Jandl bearbeitet. Ihn kennt man nicht unbedingt. Wie war das bei euch?

Ich glaube, es ist sehr unterschiedlich, wer Ernst Jandl schon kannte und wer nicht. Ich habe den Namen nicht direkt erkannt, aber dann gecheckt, dass ich ein Gedicht von ihm kurze Zeit vor dem Arbeitsprozess gelesen habee und sehr mochte. Wir sind alle sehr schnell tief in die Texte rein und ich glaube auch, wir alle hatten eine grosse Begeisterung für diese Texte, auch weil sie so breit sind. Wir sassen dann die ersten paar Tage mit diesen fünf Ernst Jandl Grundwerken, Bänden bei 32 Grad in einem Raum. Wir haben tagelang alle diese Bücher durchgelesen. Da sind Theatertexte dabei, da sind Prosatexte dabei, da sind Gedichte dabei, da ist ganz viel, ja wirres Zeug dabei, womit man aber tolle Dinge auf der Bühne machen kann. Deswegen, glaub ich, war es auch egal, ob man Ernst Jandl kannte oder nicht. Wir alle mochten ihn total und mochten es auch, damit zu arbeiten. Wir konnten uns alle selbst aussuchen, ob wir thematisch oder formweise nach etwas suchen. Wir konnten aus einem Theaterstück eine Szene nehmen und daraus etwas machen oder ein Gedicht anwenden. Es gibt viele Dinge bei Jandel, die auf dem Papier so angeordnet sind, dass es sehr spannend ist, sie in den Raum zu übersetzen. Zum Beispiel einzelne Buchstaben über das ganze Blatt verteilt. Da war wirklich eine sehr grosse Auswahl dabei.

«Es passieren sehr viele verschiedene Dinge, wie ja auch bei uns im Kopf sehr viele verschiedene Dinge auf einmal passieren können.»

  • Mira Yasmin Guggenbühl

Wie kamt ihr zum Titel «Hirrenwirren»?

Die Titelfindung aus all diesen Texten heraus war ein langer Prozess. Es gab sehr viele Vorschläge für Titel und nach mindestens zwei Stunden haben wir uns für den Titel «Hirrenwirren» entschieden, weil wir dachten, es passt sehr gut zu dem, was auf der Bühne passiert. Es passt vom Text her, es hätte von Jandl sein können. Ich bin mir gerade nicht mehr sicher, ob er direkt von ihm oder von uns kommt. Aber es würde mich nicht überraschen, wenn es irgendwo in einem Jandl-Text zu finden ist. Der Untertitel «Ein 12-Olog» ist daraus entstanden, dass unser Dozent den langen Text, der vor der Erarbeitung einzelner Szenen bereits existierte, so genannt hatte. Wir sind nämlich zu zwölft. Wir mochten das, fanden, es beschreibe die Form sehr gut. Es gibt in so einem Projekt viele Einzelmomente, aber es ist eindeutig ein kollektives Ding. Es geht immer um alle, es sind immer alle auf der Bühne und so haben wir den Untertitel behalten.

Ihr hattet das Projekt im Juni aufgeführt. Jetzt geht es in die zweite Runde. Wie kam es dazu?

Genau, bei einem Grundlagenprojekt weiss man im Vorhinein nie genau, wie oft man das noch spielen wird. Zum Beispiel, das jetzige dritte Jahr hat sein Grundlagenprojekt jetzt nach drei Jahren am Schauspielschultreffen nochmal gespielt und wir spielen unser Grundlagenprojekt Hirrenwirren am 10. Oktober nochmal hier am Zikadenweg an der HKB im Rahmen eines Theaterabends, wo «Hirrenwirren» und zwei Winterprojekte vom letzten Jahr nochmal gezeigt werden.

Der Abend dient auch dazu, neue Mitglieder für den Förderverein Chance zu gewinnen, der zukünftige Studierende unterstützt, die die erhöhten Studiengebühren nicht bezahlen können. Kommt alle schauen am 10. Oktober.

Worum geht es denn in diesem Stück

Insgesamt kann man vielleicht beschreiben, dass wir alle so ein bisschen ein Hirn, ein Kosmos, ein Wirrwarr sind und darin natürlich auch sehr viele Dinge zur Sprache kommen. Also, gewisse Leute sprechen über Liebe. Manchmal geht es ums Rauchen, manchmal geht es darum, ob jetzt auf der Tischplatte ein nasser oder ein feuchter Ring ist. Es passieren sehr viele verschiedene Dinge, wie ja auch bei uns im Kopf sehr viele verschiedene Dinge auf einmal passieren können.

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