- Story
«Wir arbeiten seit über einem Jahr an diesem Projekt»
18.03.2026 Die Emphase GmbH von HKB-Alumna Fabienne Kilchör und Sébastien Fasel haben den Gestaltungswettbewerb für die neue Schweizer Banknote gewonnen. Fabienne Kilchör gibt Auskunft zum Prozess und Gestaltung der Note.
Am 4. März gab die Schweizerische Nationalbank die Gewinnerin des Gestaltungswettbewerbs der neuen Banknote bekannt. Dabei konnte sich die Emphase GmbH durchsetzen.
HKB-Alumna Fabienne Kilchör und Sébastien Fasel sind die Gründer*innen von Emphase und entwickeln in den kommenden Monaten ihren Entwurf inhaltlich, grafisch und sicherheitstechnisch weiter. Fabienne Kilchör ist an der HKB Studiengangsleiterin des CAS Generative Data Design und Co-Studiengangsleiterin des CAS Data Visualization. Sie hat uns einige Fragen zum Gewinn des Gestaltungswettbewerbs beantwortet.
Was hat dazu geführt, dass ihr mit Emphase am Wettbewerb für die Gestaltung der neuen Banknoten mitgemacht habt?
Die Gestaltung von Banknoten ist seit den Anfängen von Emphase vor 16 Jahren ein nahezu unerreichbarer Traum von uns. Der letzte Wettbewerb war 2005. Als wir die Ausschreibung vor gut einem Jahr gesehen haben, war für uns ohne zu zögern klar, dass wir diese Chance ergreifen wollen. Wir haben viel Expertise in visueller Kommunikation, aber auch im Bereich Informationsdesign, Ikonografie und Visual Storytelling und setzen uns dafür ein, jedem Projekt einen unverkennbaren Charakter mit individueller Ästhetik und eigener Formensprache zu verleihen. Getrieben von Inhalt und der Materie, arbeiten wir zielpublikumsorientiert und immer getrieben von unserer grenzenlosen Neugier und Leidenschaft für gutes Design. Zudem habe ich natürlich durch meine Dissertation und die Leitung von kantonalen und nationalen Forschungsprojekten viel Erfahrung mit Langzeitprojekten, wissenschaftlichem Arbeiten und der Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten – ein gutes Rezept und optimale Voraussetzungen für diese verantwortungsvolle Aufgabe.
Wo habt ihr euch für das Design inspirieren lassen?
Die Inspiration stammt aus unserem grafischen und infografischen Umfeld sowie aus den Prinzipien des Internationalen Stils, der durch Klarheit, Struktur und reduzierte Gestaltung geprägt ist. Wir arbeiten zudem sehr inhalts- und datengetrieben. Das Thema «Die Schweiz und ihre Höhenlagen» lässt sich überraschend persönlich lesen. Die Verbindung entsteht weniger durch Meter über Meer als durch das Leben in den unterschiedlichen Ökosystemen. Die vielfältigen Höhenlagen sind Teil der Schweizer Identität: Die unterschiedlichen Abstufungen beschreiben vielschichtige Lebensräume, facettenreiche Kulturen und definieren Sprachregionen, Wirtschaftszweige und die Architektur. Zudem haben wir uns am Höhenmodell von Alexander von Humboldt inspiriert. Wir haben vor ein paar Jahren eine Szenografie zum Naturforscher im Botanischen Garten realisiert.
«Wir arbeiten seit über einem Jahr an diesem Projekt»
Was war euch besonders wichtig beim Erarbeiten des Designs?
Die Gestaltung neuer Banknoten reizt uns vor allem, weil hier Grafikdesign eine aussergewöhnliche Verantwortung trägt. Banknoten sind Alltagsobjekte, die jeder Mensch in der Hand hält – millionenfach gedruckt – sie müssen sicher, funktional und zugleich kulturell identitätsstiftend sein. Diese Verbindung aus gestalterischer Kreativität, technischer Präzision und gesellschaftlicher Bedeutung macht den Auftrag einzigartig. Aus grafischer Sicht ist das Format ebenfalls besonders reizvoll. Verglichen mit anderen Druckerzeugnissen ist eine Banknote zwar klein, doch dank der extrem präzisen Drucktechniken wird die Grösse relativ. Die Möglichkeiten für Details sind so vielfältig, dass das Format beinahe grosszügig wirkt – man kann auf dieser Fläche sehr viel ausdrücken.
Eine Banknote entsteht nicht als schneller Entwurf, sondern in einem vielschichtigen Prozess aus Recherche, Konzeption, gestalterischer Verdichtung und technischer Raffinesse. Diese intensive Auseinandersetzung erlaubt es, Inhalte, Symbolik und visuelle Sprache zu durchdringen und ein durchdachtes Gesamtwerk zu entwickeln.
Ein zentraler Aspekt ist das Sicherheitsdesign. Gestaltung bedeutet hier nicht nur Ästhetik, sondern auch die intelligente Integration von Schutzmerkmalen und Drucktechniken. Die Herausforderung, visuelle Qualität mit höchsten Anforderungen an Fälschungssicherheit zu verbinden, macht den Auftrag besonders anspruchsvoll.
Auch spannend ist für uns der Balanceakt zwischen Tradition und Innovation: Bestehende visuelle Werte respektieren und gleichzeitig eine zeitgemässe, eigenständige Formensprache entwickeln. Eine Banknote ist weit mehr als ein Zahlungsmittel – wir erzählen mit der neuen Banknoten-Serie Geschichten und repräsentieren die gesamte Schweiz, mit allen Sprachregionen und ihrer Vielfalt. Dieses Bild mit prägen zu dürfen, empfinden wir als einmalige Chance.
Wie bringst du die Arbeit in der Agentur und an der HKB unter einen Hut?
Wir arbeiten nun über seit über einem Jahr an diesem Projekt. Das mehrstufige Wettbewerbsverfahren mit der Bewerbung, die Konzeptionsphase, den Interviews mit unterschiedlichen Gremien und der Jury sowie dem mehrstufigen Assessment-Prozess haben uns als gute Vorbereitung für die Entwicklungsphase gedient. Die Schweizerische Nationalbank hat uns gut auf die bevorstehende Zusammenarbeit vorbereitet. Ressourcen-Planung war ein wichtiger Teil. Wir haben drei neue Angestellte und unser Team unterstützt uns tatkräftig.
Die langjährige Erfahrung an der HKB – mit meiner Tätigkeit als künstlerisch, wissenschaftliche Mitarbeiterin zwischen 2010 und 2017 sowie meiner Arbeit als Weiterbildungsleiterin zweier CAS im Bereich Datenvisualisierung seit 2015 – hilft zudem, meine Tätigkeiten zu vereinen. Wie es sich intensiviert und wie es in Zukunft weitergeht, wird sich klären.