Freizeitaktivitäten & Wildtiere im eidg. Jagdbanngebiet Augstmatthorn (Kt. Bern)

Konflikte zwischen menschlicher Freizeitnutzung und Wildtieren haben in der Vergangenheit massiv zugenommen. Das vorliegende Forschungsprojekt soll Grundlagen schaffen, die zu deren Entschärfung beitragen sollen.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften
  • Institut(e) Multifunktionale Waldwirtschaft
  • Forschungseinheit(en) Waldökosystem und Waldmanagement
  • Förderorganisation Andere
  • Laufzeit (geplant) 01.08.2025 - 31.12.2028
  • Projektleitung Prof. Dr. Christian Willisch
  • Projektmitarbeitende Prof. Dr. Christian Willisch
    Dr. Nelson Marreros
    Michael Grüter
    Sven Signer
  • Partner Jagdinspektorat des Kantons Bern Amt für Landwirtschaft und Natur
  • Schlüsselwörter Freizeitaktivitäten, menschliche Störungen, Wildtiere, Gämsen, Steinböcke, eidgenössisches Jagdbanngebiet, Augstmatthorn

Ausgangslage

Die Nutzung von Naturräumen durch Freizeitsuchende hat in den alpinen Regionen der Schweiz in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Getrieben durch Outdoor-Trends und soziale Medien steigt der Nutzungsdruck, insbesondere durch Aktivitäten zu Randzeiten und während der Nacht. Langjährige Monitoringdaten aus dem eidgenössischen Jagdbanngebiet Augstmatthorn zeigen, dass Gämsen und Steinböcke wegnahe Bereiche heute deutlich stärker meiden als noch vor 20 Jahren. Es ist naheliegend, dass diese Veränderung mit dem erhöhten menschlichen Nutzungsdruck zusammenhängt. Unklar bleibt jedoch, ob die Meidung primär auf eine erhöhte Sensitivität der Tiere gegenüber Störungen zurückzuführen ist oder ob die räumlich und zeitlich erhöhte menschliche Präsenz im Gebiet zur zunehmenden Verdrängung der Tiere geführt hat. Da in Jagdbanngebieten der Schutz der Wildtiere oberste Priorität hat und in den Wald abgedrängte Wildhuftiere zu erhöhtem Wildeinfluss – insbesondere im Schutzwald – führen können, besteht ein dringender Bedarf an belastbaren Grundlagen. Das geplante Forschungsprojekt soll diese Wissenslücken schliessen, indem es das Besucheraufkommen im Jagdbanngebiet systematisch erfasst, die Störungsökologie der Wildhuftiere, insbesondere der Gämsen, vertieft untersucht und bestehende sowie neue Massnahmen zur Besucherlenkung und Konfliktminderung evaluiert und optimiert. Das Projekt soll dazu beitragen, die bestehenden Konflikte im Gebiet aber auch andernorts zu entschärfen.

Vorgehen

Im Rahmen des angewandten Forschungsprojektes werden Informationen zum räumlich-zeitlichen Besucheraufkommen im eidgenössischen Jagdbanngebiet zusammengetragen und Erhebungen zu den dort lebenden Gämsen (und Steinböcken) durchgeführt. Die Datenerhebung bei den Wildtieren erfolgt zum einen durch direkte Beobachtungen während der Sommermonate. Unterstützt durch das Jagdinspektorat des Kantons Bern werden andererseits ebenfalls Tiere eingefangen und mit GPS-Halsbändern ausgestattet. Diese Technologie ermöglicht über die Dauer von 2 Jahren mehrmals pro Tag die Aufenthaltsorte der besenderten Tiere festzustellen. Die Datenerfassung erlaubt uns, die Lebensraumnutzung der Gämsen mit dem Auftreten der Menschen im Gebiet in Verbindung zu bringen. Ergänzend werden ebenfalls Verhaltensreaktionen (wie Flucht) der Gämsen gegenüber herannahenden Wanderern erfasst. Durch den Vergleich mit historischen Daten aus den 1990-2000er Jahren sollen allfällige Verhaltensänderungen quantifiziert werden.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 15: Leben an Land