Entwicklung und Pilotierung des pflegegeleiteten 4Ms Programms für ältere Patient*innen

Ein Doktoratsprojekt in Pflegewissenschaft, in Zusammenarbeit mit dem Praxispartner Lindenhofgruppe, erarbeitet eine innovative Verbesserung für ältere Patient*innen im Akutspital: das pflegegeleitete 4Ms-Programm.

Steckbrief

Ausgangslage

Die Anzahl hospitalisierter Patientinnen und Patienten ab 65 Jahren steigt stetig. Dabei sind viele Spitäler konzeptuell noch nicht auf ältere Menschen mit ihren komplexen körperlichen und sozialen Bedürfnissen ausgerichtet. Das Gesundheitswesen fokussiert primär auf die Pflege und Behandlung von akuten Erkrankungen, während ältere Menschen oft an chronischen Krankheiten und Mehrfacherkrankungen leiden. Dies erhöht das Risiko für Komplikationen. Deshalb ist eine nachhaltige Anpassung der Spitäler an den Bedarf dieser stetig grösser werdenden Patientengruppe unerlässlich. Eine Antwort auf diese Herausforderung könnte das 4Ms-Framework sein. Die vier Elemente (What Matters, Mentation, Mobility und Medication) zeigen, was in der Pflege und Behandlung von älteren Menschen wichtig ist und stellen eine gute Grundlage für eine bedarfsgerechte Versorgung dieser Patientengruppe im Spital bereit (Abbildung 1).

4Ms Framework

Das 4Ms-Framework wird in der Praxis durch ein interprofessionelles Team umgesetzt, wobei Pflegefachpersonen eine Schlüsselrolle einnehmen. Pflegefachpersonen gestalten und koordinieren im interprofessionellen Team die Patientenversorgung und sind prädestiniert, eine führende Rolle bei der Umsetzung des 4Ms-Framework zu übernehmen. Bevor das 4Ms-Framework aber in Form eines pflegegeleiteten Programms umgesetzt werden kann, muss es zuerst noch an die spezifischen Gegebenheiten des Gesundheitswesens und die des Praxispartners Lindenhofgruppe angepasst werden.

Ziele

Ziel des Doktoratsprojekts ist es, das 4Ms-Framework unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven (Patient*innen, Angehörige, Gesundheitsfachpersonen, Expert*innen) sowie des spezifischen Kontextes der Lindenhofgruppe in ein pflegegeleitetes Programm und der dazugehörigen Programmtheorie zu adaptieren, in die Praxis einzuführen und einer ersten Evaluation zu unterziehen.

Vorgehen

Das Doktoratsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Praxispartner Lindenhofgruppe dauert von 2024 bis 2027. Es orientiert sich an den Prinzipien der Entwicklung und Evaluierung komplexer Programme. Diese Modelle beschreiben detailliert in vier Phasen wie eine Intervention nachhaltig entwickelt, in der Praxis eingeführt, evaluiert und weiterentwickelt werden kann (Abbildung 2).

Methodisches Vorgehen

Das Projekt umfasst dabei die ersten beiden Phasen. In der ersten Phase wird das 4Ms-Framework an den Kontext der Lindenhofgruppe angepasst. Dazu werden Workshops mit relevanten Stakeholdern durchgeführt. Die Ergebnisse daraus werden mit Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Literatur verglichen. Das Vorgehen folgt dabei einem iterativen Prozess. Das bedeutet, es werden mehrere Versionen des Programms und der dazugehörigen Programmtheorie erarbeitet, die dann immer wieder kritisch diskutiert und überarbeitet werden. In der zweiten Phase wird das pflegegeleitete 4Ms-Programm dann auf zwei Abteilungen des Lindenhofspitals während eines Jahres erstmals umgesetzt und evaluiert (Pilotierung).

Ergebnisse

Das Doktoratsprojekt entwickelt durch das geplante Vorgehen die Voraussetzung für eine langfristige Umsetzung und Evaluation einer pflegegeleiteten Versorgung.

Es stellt für ältere Menschen im Spital eine evidenzbasierte, bedarfsgerechte und koordinierte Pflege und Behandlung bereit. Dies wiederum unterstützt bessere patientenbezogene Ergebnisse während und nach der Hospitalisation. Zudem bietet das pflegegeleitete 4Ms-Programm einen vielversprechenden Ansatz, um die Gesundheitsversorgung von älteren Menschen im Spital zukunftsfähig zu gestalten.

Entwicklung und Pilotierung des pflegegeleiteten 4Ms Programms für ältere Patient*innen

Supervisorinnen des Doktorats

  • Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer (Universität Wien und Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften)
  • Prof. Dr. Sabine Hahn (Berner Fachhochschule BFH)

Projektmitarbeitende BFH

  • Jannic Bieri
  • Ramona Blättler

Praxismitarbeitende Lindenhofgruppe

  • Dr. Corina Thomet
  • Claudia Dollinger
  • Anna-Katharina Moser