Digitalisierung – partizipative Entwicklung nachhaltiger Wissensvermittlung

Der Zugang zur digitalen Welt ist für armutserfahrene Personen herausfordernd. In diesem Projekt erarbeiten Fachpersonen und armutsbetroffene Personen gemeinsam eine Grundlage zur nachhaltigen Wissensvermittlung im Bereich Digitalisierung.

Steckbrief

  • Beteiligte Departemente Soziale Arbeit
    Technik und Informatik
  • Institut(e) Institut Kindheit, Jugend und Familie
  • Strategisches Themenfeld Themenfeld Humane Digitale Transformation
  • Förderorganisation BFH
  • Laufzeit 01.02.2024 - 30.06.2025
  • Projektleitung Loretta Walther
    Prof. Dr. Emanuela Chiapparini
  • Projektmitarbeitende Prof. Dr. Mascha Kurpicz-Briki
    Prof. Dr. Jürgen Vogel
  • Partner Verein Surprise
  • Schlüsselwörter Digitalisierung, Armut, Partizipation, Soziale Arbeit und Technologie, armutsbetroffene Menschen, Beteiligungsprozesse, Befähigung, Wissensvermittlung, Weiterbildung, User Involvement

Ausgangslage

Armutsbetroffene Personen sind besonders stark vom «sozialen Ausschluss» betroffen. Die Digitalisierung birgt die zusätzliche Gefahr, den Anschluss an die stetigen Entwicklungen zu verpassen und so eine zusätzliche Ausgrenzung zu erleben: den Ausschluss aus der digitalen Welt. Armutsbetroffenen Personen fehlt oft das Wissen über digitale Lösungen und ihnen mangelt es auch am Zugang zu diesen digitalen Lösungen. Die Studie «ProDigitAll» zeigte, dass vulnerable Personengruppen insbesondere den Mangel an persönlichen Medien- und Computerkenntnissen sowie die Unsicherheit über persönliche Datennutzung als Grund für die Nicht-Nutzung von digitalen Lösungen aufführen. Zudem zeigte sich, dass vulnerable Personengruppen aufgrund ihrer sozialen Isolation persönliche Kontakte den digitalen vorziehen (z.B. in der Bank). Aus diesem Grund stellt dieses Projekt die sozialen Situationen armutsbetroffener Personen sowie die daraus erwachsenen Bedürfnisse ins Zentrum, um diesen Personen niederschwellig und nachhaltig digitales Wissen vermitteln zu können. Grundlage der Studie ist der Peer-Ansatz, der sich in Forschungen zur Migration oder Psychiatrie bereits bewährt hat. Dabei können die Forschungen auf einen zentralen Befund aus der Studie «ProDigitAll» zurückgreifen, die festgestellt hat, wie bedeutsam die soziale Dimension bei der Vermittlung von digitalem Wissen ist.

Vorgehen

In einem ersten Schritt wurde eine systematische Literaturrecherche zur theoretischen Rahmung der Thematiken Armut und Digitalisierung, Peerarbeit, technologischer Fortschritt sowie der Möglichkeiten von digitalem Unterstützungsmaterial als Grundlage für die Entwicklung von Interviewleitfäden gewählt. Auf der Basis der Interviewleitfäden erfolgten qualitative Befragungen von armutserfahrenen Personen sowie Fachpersonen des Vereins «Surprise» in Basel, Bern und Zürich zu den Bedürfnissen, Herausforderungen und Ideen in Bezug auf die Thematik. Zur inklusiven Beteiligung wurden mündliche und schriftliche Reaktionsmöglichkeiten geboten. Nach der Auswertung der Befragungen wurden die systematisierten Befunde in einem Workshop mit armutserfahrenen Personen diskutiert sowie in Bezug zu technologischen Lösungen gebracht. Die Befunde zu den Herausforderungen und Bedürfnissen von armutserfahrenen Personen im Bereich Digitalisierung wurden mit den passenden technischen Lösungen betrachtet. Damit ist die Grundlage für ein konkretes Angebot (bspw. digitales Trainingsmaterial, vereinfachte Schnittstellen, Peer-to-Peer-Learning) erarbeitet worden.

Ergebnisse

Das Forschungsprojekt zeigt, dass armutsbetroffene Personen im Kontext der Digitalisierung unterschiedliche Bedürfnisse aufweisen. Sie wünschen sich leicht zugängliche und flexiblen Kurse, um digitale Fähigkeiten zu erlernen. Wichtig ist dabei, dass die Kurse nicht nur von Fachpersonen angeboten werden, sondern auch Peerarbeitende einbezogen werden. Diese unterstützen als ehemals betroffene Personen die Teilnehmenden beim Umgang mit digitalen Geräten und Medien, was einen niederschwelligeren und weniger schambehafteten Zugang ermöglicht.

Dieses Projekt leistet einen Beitrag zu den folgenden SDGs

  • 1: Keine Armut
  • 3: Gesundheit und Wohlergehen
  • 4: Hochwertige Bildung
  • 10: Weniger Ungleichheiten
  • 16: Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen