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HKB-Alumn*ae Joanna Yulia Kluge und Pino Dietiker befragt
27.08.2026
Die Literatur-Nati veröffentlicht zum 20-jährigen Jubiläum ihre zweite Anthologie. Joanna Yulia Kluge und Pino Dietiker sind HKB-Alumn*ae und haben am Buch mitgewirkt.
Im Buch «Einwürfe und Kopfbälle – Fussballgeschichten der Literatur-Nati», welches am 22. September im Knapp Verlag erscheint, schreiben ehemalige und aktive Mitglieder der Literatur-Nati über die schönste Nebensache der Welt: den Fussball. Unter den Autor*innen sind auch ehemalige HKB-Studierende, mit Pino Dietiker (BA Literarisches Schreiben) und Joanna Yulia Kluge (MA Contemporary Arts Practice) haben wir über die Anthologie und die Literatur-Nati gesprochen.
Wie ist das Jubiläumsbuch «Einwürfe und Kopfbälle – Fussballgeschichten der Literatur-Nati» entstanden? Woher stammt die Idee zum Buch?
Pino: Die Idee geht zurück auf unseren ehemaligen und langjährigen Präsidenten Patrick Tschan. 2026 jährt sich das erste Spiel der Literatur-Nati zum 20. Mal. Das war 2006 in Wien gegen das österreichische Team. Dieses Jubiläum müssen wir natürlich feiern. Deshalb laden wir Österreich zu einem Spiel am Spoken-Word-Festival «woerdz» in Luzern ein und wir veröffentlichen dieses Buch, wir nennen es auch Jubiläumsbuch, mit über 30 Originalbeiträgen von aktiven und ehemaligen Mitgliedern. Es ist das zweite Mal, dass die Literatur-Nati als Team eine Anthologie veröffentlicht. Das erste Mal war 2012 unter dem Titel «Das Chancenplus war ausgeglichen».
Die Schweizer Literatur-Nati
Bei der Schweizer Literatur-Nati haben alle Spieler*innen eine Verbindung zur Literatur, ob Schreiben, Dichten, Singen, Verlegen oder Rappen. Das Team bestreitet jährlich mehrere Spiele gegen andere Literatur-Nationalteams, den FC Nationalrat oder die NZZ. Genauso wichtig wie die Spiele ist die «dritte Halbzeit» der Literatur-Nati, dann veranstaltet das Kader gemeinsame Lesungen, Slam Poetry und mehr.
Ihr habt beide an der Hochschule der Künste Bern studiert. Wie seid ihr auf die Literatur Nati aufmerksam geworden?
Pinor: Ich habe über die HKB zur Literatur-Nati gefunden, als ich am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel den Bachelor gemacht habe. An einem Fussball-Plauschturnier der Berner Fachhochschule in Magglingen habe ich 2013 mit einem Team von aktuellen und ehemaligen Studierenden des Literaturinstituts teilgenommen, unter anderem ist auch Patric Marino dabei gewesen. Nach dem Turnier hat er mich auf die Literatur-Nati angesprochen, er war bereits dabei und hat gefragt, ob ich auch mitmachen möchte. Im Jahr darauf habe ich dann das erste Spiel für die Literatur-Nati gemacht. Das war an den Solothurner Literaturtagen, dort spielen wir jedes Jahr gegen die «Raketen» – ein Team aus lokalen Kulturschaffenden.
Joanna: 2023 hast du mich angeworben, damit ich auch mitspiele bei den Solothurner Literaturtagen, seitdem bin ich im Team. Damals haben wir auch gleich den Pokal nachhause genommen.
Pino: Stimmt, 2023 war ein Jahr, in dem wir einen Generationenwechsel vollzogen haben, viele neue Kräfte angeworben haben, da bist auch du dazugekommen. Seitdem haben wir auch den offiziellen Namen Literatur-Nati. Als das Team, vor 20 Jahren, 2006 gegründet wurde, hat es noch FADS geheissen, das ist die Abkürzung für «Fussball spielende Autorinnen und Autoren der Schweiz».
«Der Match ist das beste Training, um da auch mal eine Fussballweisheit rauszuhauen.»
Gibt es gewisse Anforderungen, damit jemand in die Nati aufgenommen wird?
Joanna: Laut Pino muss man eine ISBN-Nummer haben als Schriftsteller*in. Ist das noch so?
Pino: Genau, das war lange das Kriterium, wo man gesagt hat, dass man mindestens ein Buch mit ISBN-Nummer veröffentlicht haben muss. Mittlerweile ist das nicht mehr so streng, wir haben auch sehr viele Leute aus dem Bereich Spoken Word, Poetry Slam und da sind ja Auftritte viel wichtiger als Publikationen und Bücher. Darum ist das unterdessen keine Voraussetzung mehr. Hauptsächlich muss man einfach zwei Dinge gern – und vielleicht sogar gut – machen: einerseits Schreiben und anderseits Fussballspielen.
Trainiert ihr als Literatur-Nati auch oder trefft ihr euch hauptsächlich für Spiele?
Joanna: Wir treffen uns eigentlich immer nur für die Spiele. Das ist lokal nicht anders möglich.
Pino: Wir sind wirklich eine Literatur-Nationalteam und haben Spieler*innen aus der ganzen Schweiz, auch aus der Romandie. Wir kommen auf sechs bis acht Spiele pro Jahr, alles Freundschaftsspiele. Wir kennen viele Teams schon lange, gegen die wir immer wieder spielen. Einmal im Jahr schaffen wir es auch, gegen ein anderes Literatur-Nationalteam zu spielen. Es gibt fast in jedem anderen europäischen Land ein solches Team. Der Match ist das beste Training, um da auch mal eine Fussballweisheit rauszuhauen.
Gibt es zwischen dem Schreiben und Fussball Parallelen?
Joanna: Am Ende ist es wirklich eine Teamarbeit, wenn das Korrektorat und Lektorat anstehen. Am Anfang vielleicht noch, wenn man sich mit Agent*innen austauscht.
Pino: Eine solche Anthologie hat tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten damit, wie ein Fussballteam funktioniert. Fussball ist einerseits ein Teamsport, es stehen elf Leute zusammen auf dem Platz, anderseits ist im Moment jemand alleine am Ball und es gibt Einzelaktionen. So eine Anthologie bringt beides zusammen. Wir haben für dieses Buch über 30 Personen zusammengebracht, welche alle allein vor dem Blatt gesessen sind. Ab dem Moment, als die Texte an die Redaktion gekommen sind – wir sind Herausgeber*innen, welche die Texte ein erstes Mal lektoriert haben, bevor sie an den Verlag gegangen sind: Bänz Friedli, Andri Perl, Regula Wenger und ich, eine redaktionelle Viererkette –, war es dann auch Teamarbeit am Schluss.