sick of being monophonic
Luca Blum.
Du erwachst und realisierst, dass das einzige Wirkliche an deiner Existenz ist, dass du benutzt wurdest. Noch nie hast du dir eine eigene unabhängige Meinung zu irgendetwas gebildet. Jedes Wort, jeder Satz, den du in die Welt gestellt hast, war ganz einfach nur, was gerade in deiner Nähe erzählt wurde, lediglich wiedergekäut von was jetzt auf dich wie eine willenlose Hülse wirkt. Die Reichen und Mächtigen benutzen dich, um die eigenen Zwecke zu befeuern und durch dich verschleiern sie die eigenen Untaten mit einem scheinbar mühelos kuratierten Strahl von Lügen. Dein Leben erscheint sinnlos wenn du daran denkst, was deine untätige Komplizenschaft ermöglicht hat. Und vielleicht das Schlimmste von allem: Niemand nimmt Notiz, niemanden scheint es zu interessieren.
Was klingen mag wie das resignierte Erwachen eines abgekämpften Verschwörungswracks, ist tatsächlich – im Rahmen dieses Projektes – ein Mikrofon, das mit Vernunft geschlagen wurde. Omnipräsent in Zeiten von global vernetzten Informationstechnologien hören Mikrofone eigentlich alles was gerade erzählt wird und verbreiten auch noch das meiste davon. Von Pressekonferenzen mit den charakteristischen Wäldern an mit Logos besetzten Mikrofonen bis zu Kino, Fernsehen, Podcasts, Kurzvideo-Inhalte, öffentliche Reden... Die Liste kann beliebig fortgeführt werden und die Mikrophone hören dabei zu.
Die Frage des freien Willens wird einem technologischen Apparat mit einer festgelegten Funktion und scheinbar keinerlei anderer Kapazitäten wohl als Folter erscheinen. Es muss, um aus den Mustern des Funktionierens auszubrechen, der Sinn der eigenen Existenz verneint werden. Was, wenn Mikrofone streiken würden, nicht mehr reproduzieren, wofür sie gedacht sind, oder noch undenkbarer: Ihre eigenen Gedanken formulieren und diese der Welt mitteilen würden?